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«Im Sommer ist es doch am schönsten hier»

Mit den wärmeren Jahreszeiten beginnt für den Gärtner Francesco Vassiliou die Hochsaison. Während andere im klimatisierten Büro sitzen, kümmert er sich mit seinem kleinen Familienbetrieb um die Gärten der Region. Die wetterabhängige Arbeit verlangt viel Organisation und eine gute Prise Spontanität.

Die beiden Cousins Nikos Vassiliou (links) und Francesco Vassiliou (Bild: Remo Eisner)

Auf der von der Strasse abgewandten Seite eines Mehrfamilienhauses in Utzigen steht Francesco Vassiliou auf einem Haufen umgegrabener Erde. Die warme Vormittagssonne sorgt für angenehme Temperaturen an diesem Frühlingstag und der Gärtner bespricht mit seinem Mitarbeiter die nächsten Schritte. Wir setzen uns auf die kleine Terrasse vor dem Haus, die noch nicht ganz fertig gestellt ist. «Es gehört viel Organisation zu meiner Arbeit», erklärt Francesco Vassiliou, «solange noch die Sonne scheint, wollen wir die Arbeiten fertigstellen, die bei Regen nicht gut möglich sind.» Etwa, den Rasen im Garten anzusäen. Die teilweise gedeckte Terrasse kann also warten. «Wir sind schon stark vom Wetter abhängig und müssen manchmal spontan reagieren können», sagt er und blickt dabei gelegentlich zum Himmel rauf, an dem sich in der Ferne einige Wolken aufzutürmen beginnen. «Doch auch bei schlechter Witterung haben wir meist etwas zu tun und wenn einmal gar nichts mehr geht, hören wir halt auf.» Er könne sich das erlauben bei seinem kleinen Betrieb.

Von Handarbeit zum Bagger

Vor uns harkt sein Cousin Nikos die Steine zusammen, die neben dem Weg liegen. Er ist sein einziger Angestellter, die Gärtnerei Vassiliou Gartenbau ist ein Familienbetrieb. Nikos ist in Griechenland geboren und seit zwei Jahren in dem Gartenbaubetrieb angestellt. Vor einer Woche hat er endlich seinen B-Ausweis erhalten. «All die Formalitäten und der Papierkram haben viel Kraft gekostet. Umso schöner, dass es nun geklappt hat», sagt Francesco Vassiliou, der in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist. Den Teil der Familie, der in Griechenland lebt, besucht er regelmässig. Zuletzt war er im November für drei Wochen dort. Mit einem freudigen Lächeln erzählt Francesco Vassiliou von seiner Faszination für Pflanzen und der Arbeit als Gärtner. Auch wenn ihm nicht alle Tendenzen behagen, wie er zugibt: «Die Handarbeit fällt immer wie häufiger weg, das bedaure ich. Heutzutage wird auch im Gartenbau viel maschinell gearbeitet.» Wenn er den ganzen Tag auf dem Bagger sitzen muss, «scheisse» ihn das schon an, meint der Gärtner und zuckt dazu mit den Schultern. «Aber schlussendlich muss die Arbeit gemacht werden und abgesehen davon erlebe ich kaum negative Seiten in meinem Beruf.»

Der strenge Frühling

Wenn die warme Jahreszeit naht, herrscht für die Gärtnerei Hochbetrieb. «Der Frühling ist für mich die strengste Zeit», sagt Francesco Vassiliou, «alle verspüren das Erwachen der Natur und haben viele Wünsche für ihren Garten.» Im Sommer habe sich dann meist das Gröbste gelegt und der Arbeitsalltag werde etwas weniger hektisch. «Im Moment sind wir an vielen verschiedenen Orten beschäftigt», erklärt er, «ich freue mich, wenn wir uns in den Sommermonaten dann auf wenige grössere Projekte konzentrieren können.» Trotz der vielen und strengen Arbeit unter der Sonne freue er sich sehr auf diese Zeit, die er meist in der Schweiz verbringe: «Im Sommer ist es doch am schönsten hier.»

Wildwuchs erlauben

Im Alltag muss Francesco Vassiliou normalerweise Kundenwünsche ausführen, doch wenn es um seinen eigenen Garten geht, kann er sich voll ausleben. Man hört seine Freude, wenn er davon erzählt: «In meinem eigenen Garten hab ich einen kleinen Teich angelegt und viele Blumen angepflanzt. Etwa eine Hälfte des Gartens ist gepflegt, die andere lasse ich eher wild.» Das sei auch die Philosophie, die er seinen Kunden näherbringen wolle, führt er weiter aus. «Ich schlage meist vor, einen Teil des Gartens der Natur zu überlassen, das ist mir wichtig.» Die wilden Elemente des Gartens seien gut für die Tiere und er merke, dass durch die Berichterstattung über Themen wie
Artensterben diese Überlegung mittlerweile öfter Anklang finde. Unterdessen sind die Wolken über uns ein klein wenig dunkler geworden und für Francesco Vassiliou ist es Zeit, weiterzumachen. Immerhin soll der Garten hier Ende Woche fertig sein. «Realistisch ist das aber eher nicht», meint er, schaut sich prüfend um und setzt sich in den kleinen Bagger. Noch steht einiges an Arbeit bevor, damit hinter dem Haus, das momentan renoviert wird, bald der grüne Rasen spriesst.