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Egelsee: Knatsch au lac geht weiter

Aus den Quartieren

Der Regierungsstatthalter hat die Bewilligung erteilt. Aber ob in diesem Sommer am Egelsee tatsächlich wieder eine Bar steht, ist noch nicht entscheiden. Eine Anwohnerin lässt nicht locker.

Ob am Egelsee im Sommer 2019 wieder eine Bar steht – oder bloss Sitzgelegenheiten wie 2018, das haben nun die JuristInnen zu entscheiden. Foto: zvg

Er sei eigentlich ziemlich sicher, dass es 2019 am Egelsee keine Bar mehr gebe, hatte der SVP-Politiker Hansueli Gränicher Ende Januar in einem Gespräch mit anderen Stadtpolitikern gesagt. Er bedaure dies, aber die Aussichten stünden nicht gut. Kein Monat später dann der überraschend positive Entscheid des Regierungsstatthalters: Ja zur Bar au lac. Der Sattler darf wieder wirten. Es gibt dafür eine fünfjährigen Betriebsbewilligung.

Im Quartier wird grossmehrheitlich gejubelt. Erinnerungen an den Sommer 2017 werden wach, als während Wochen am Südende des idyllischen Quartiersees zwischen Wyssloch und Muristrasse ein unkomplizierter Barbetrieb Familien und Feierabendkundschaft anlockte. Das Lokal im alten Werkhof der Stadt mit improvisierten Sitzgelegenheiten verbreitete in dieser ansonsten eher ruhigen Wohngegend einige Wochen lang urbane Freizeitatmosphäre.

Die gleichen GegnerInnen

Bis sich die GegnerInnenschaft in der IG Egelsee zusammentat und mit ihrer Einsprache bewirkte, dass die Zwischennutzung abgebrochen werden musste. Die gleichen GegnerInnen melden sich nun wieder zu Wort. Der Entscheid des Regierungsstatthalters sei für sie rein politisch motiviert, sagt Yvonne Prieur, eine Anwohnerin, die sich als Vertreterin von «immer mehr» Leuten aus der Nachbarschaft bezeichnet. Sie hat Beschwerde bei der kantonalen Baudirektion eingereicht. Ihre Hauptargumente: ein Barbetrieb sei nicht zonenkonform, da werde öffentlicher Raum privatisiert und kommerziell genutzt und der Naturschutz bleibe auf der Strecke. Yvonne Prieur ist Juristin, Mitglied der IG Egelsee und Vizepräsidentin des Angelfischer-Vereins, der Pächterin des Egelsees ist.

Kein Wunder, dass sich die Euphorie bei den Barbetreibenden in Grenzen hält. Micha Flach von der Caffè Bar Sattler, die vor zwei Jahren den Zuschlag für den Saisonbetrieb erhalten hatte, meint lakonisch, sie hätten ja unterdessen Erfahrung mit Beschwerden: «Wir sind zwar motiviert, in diesem Sommer wiederum am See zu wirten, aber bevor wir Leute anstellen und Mobiliar und Geschirr zukaufen, warten wir ab.» Sollten die JuristInnen des Kantons zum Schluss kommen, dem Betrieb stehe nichts im Weg, oder sollten die BeschwerdeführerInnen ihre Beschwerde zurückziehen, wäre die Sattlerbar in vier bis sechs Wochen bereit loszulegen.

Quartierinteressen kontra Exklusivrechte

Wenig euphorisierend für die Barbetreiber wirkt nicht nur die beschwerdefreudige GegnerInnenschaft. Auch die Auflagen des Regierungsstatthalters sind – so Micha Flach –«nicht unbedingt erfolgversprechend». Das Lokal darf nur 24 Plätze haben, ein Take-away-Konzept wird ausgeschlossen und herumstehende Barbesucher müssten weggewiesen werden. Das ist nicht gerade das, was sich die Sattlerbar erträumt. Ihr Betrieb in der Länggasse ist ein vielfrequentierter, lebendiger Quartiermittelpunkt, der bei schönem Wetter umschwärmt wird wie ein Bienenkorb.

Die strengen Auflagen des Regierungsstatthalters können anderseits die GegnerInnen nicht nachsichtig stimmen. Dass es für ein derartiges Lokal eine gesetzliche Grundlage gebe, bezweifelt Yvonne Prieur. Auch glaubt sie nicht, dass sich 600 Quartierbewohner für diese Bar ausgesprochen haben. Sie habe nachgeforscht, eine solche Petition gebe es nicht. Mit dieser Haltung stösst sie nicht nur viele Quartierbewohnerinnen und -bewohner vor den Kopf. Auch in der Stadtpolitik löst ihre einseitige Sicht Kopfschütteln aus. Andreas Stalder, GFL-Vertreter in der Quartierkommission: «Es gibt verschiedene Bedürfnisse in einem Quartier. Gerade der Angelfischerverein beansprucht am Egelsee seit Jahren Exklusivrechte für sich».

«Schöne Oase»

Ähnlich denkt ein Grossteil der Quartierbevölkerung. Die Reaktionen auf den Entscheid des Regierungsstatthalters fielen überwiegend positiv aus. Viele können nicht begreifen, warum eine kleine Gruppe von Anwohnern derart verbissen gegen einen zeitlich limitierten und saisonal beschränkten Betrieb sein kann. Eine Anwohnerin schrieb im Bund-Chat: «Die Mehrheit der AnwohnerInnen freut sich, dass diese schöne Oase wieder mit dem Angebot der Bar au Lac belebt wird. Die im Artikel erwähnten nicht erfreuten AnwohnerInnen bzw. die Mitglieder der IG Egelsee kann man an einer Hand abzählen.»

Ob es am Egelsee im Sommer 2019 wieder eine «schöne Oase» für die urbane Quartierbevölkerung gibt, oder ob die AngelfischerInnen und einige lärmempfindlichen AnwohnerInnen zu ihrem Recht kommen, dieser Entscheid liegt jetzt also bei den JuristInnen des Kantons.