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KOLUMNE /

Renato Kaiser

13.02.2019 | 11:33

In Chur streiten sich das Erzbistum und die katholische Landeskirche über Sexberatung. Wer könnte dazu Stellung nehmen, wenn nicht unser Kolumnist Renato Kaiser? Dieser Beitrag erschien in der SRF Sendung «Late Update». Bei uns lässt sich der Text des eloquent-schnelllippigen Ostschweizers exklusiv und in Ruhe nachlesen.

Michael Elsener: Z'Chur, det striited sit längerem s'Erzbischtum Chur und die katholischi Landes-Chile. Es goht um Sex-Berotig. – De Erzbischof isch bis vors Bundes-Gricht gange – hed det aber verlore. – D'Frog a oise Usse-Korreschpondänt, Renato Kaiser, um was gohts gnau?

Renato Kaiser: Also: Diä katholischi Landes-Chilä git jedes Joor 15'000 Frankä a di privati Berotigsschtell Adebar. Was jo vom Namä her ganz guät passt: Wer nöd id Chilä goot, findet sini privati Berotigsschtell «a dä Bar», hähä, chlinä Scherz, gar nöd luschtig findet das hingägä dä Bischof Huonder.

M: Okay und was schtört ihn denn genau?

R: Ihn schtört, dass die Berotigsschtell äbä unter anderem au über s'Thema Verhüetig und Abtribig redt, und das isch natürlich äs Problem. Schliesslich hät jo sin Vorgsetztä, dä Papscht Franziskus, vor nöd so langer Zit gsait: Abtribig, das segi so wiä Uftragsmord. Wo sich natürlich d'Frog schtellt: Was isch denn ä Taufi? Chindsentfüerig mit mildem Waterboarding?

M: Guet, aso do müemer glaub fair blibe...das mit de Abtribig hed jo ned de Bischof Huonder gseit...

R: Jo da schtimmt. Er hät defür zum anderä Thema mol öppis gsait, nämli: «Verhütung gehört zur Kultur des Todes».

M: Oh. Woou!

R: Jo! Aber luäg, i verschtoo sin Gedanke jo scho. Er sait aigentli: Jedes Spermium isch äs Menscheläbä. Und Verhüetig haisst drum für ihn: S'Läbä fangt im Hodesack aa und hört im Kondom uf. Vodä Samezellä id Gummizellä. Aber: Ooni Verhüetig isches au nöd vil besser: 1 Ejakulat enthaltet 300 Millionä Spermiä, oder anderscht gsait: 300 Millionä Läbä – und nur ai ainzigs chunt dürä! Das haisst, jedi Befruchtig isch än fucking Genozid! Irgendwenn vor 76 Joor sind 300 Millionä Läbä gopfered wordä, nur damit ain Bischof entschtoot, wo denn sait, Verhütung gehört zur Kultur des Todes.
Waisch was ghört zudä Kultur des Todes!? S'Läbä!

M: Wow, Renato, das isch jetz aso zimlich deep.

R: Jo nai eerlich, warum sind am Bischof Huonder aigentlich üsi Spermiä so mega wichtig! Das isch doch übergriffig! Mir lönd sini Spermiä jo au in Rue! I main: Genau jetz i dem Moment schtirbt irgendwo uf därä Welt i irgendämä Hodesack vo irgendämä Bischof äs Spermium, wo no niä s'Tagesliecht gsee hätt! Und i waiss wörkli nöd, obi mir cha än truurigerä Tod vorschtellä als das!

M (spöttisch): Renato, Du weisch jo mega vell über Spermie...

R: Jo und? Du öppä nöd? Muesch gar nöd so schnippisch tuä, nur weld usgseesch wienen katholischä Messdiener! Lueg emol Dini Frisur aa! Gseet us, als heged dä Erzengel Gabriel und s'Lamm Gottes uf Dim Chopf äs unehelichs Chind zügt!

M: Aber es goht jo jetzt ned um mich, sondern um de Bischof Huonder und de Grichts-Entscheid. – Ich mein er hed vorem höchschte Schwizer Gricht verlore, meinsch, er wird das Urteil no wiiterzieh?

R: Jo, i glaub scho. Worschinli bis zum jüngschtä Gricht.

M: Was machsch Du jetz nach dere ganze Gschicht, Renato?

R: Min Browserverlauf lösche. Mini Fründin und ich mached hüt Obig «Netflix und Chill». Und i will nöd, dass sie als erschti Suechbegriff gseet: «Verhütung katholisch» und «wie lange überleben Spermien im Hodensack.»

M: Gueti Idee... – Oisen Usse-Korreschpondänt, de Renato Kaiser!