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Soziale Innovation

Die Internetseite nimms.ch soll zur bekanntesten Plattform für gebrauchte Gegenstände in der Schweiz werden. Hinter dieser Vision stecken die beiden kreativen Köpfe Jonas Bigler und Sam Kolahan.

Wo landet, was nicht mehr gebraucht wird? nimms.ch will darauf eine Antwort finden (Foto: nimms.ch)

Sommerzeit ist auch Umzugszeit. Wer sich deshalb oder aus anderen Gründen von alten Gegenständen trennen will, stellt diese oft an den Strassenrand zum Mitnehmen – oft zum Leidwesen der öffentlichen Entsorgungsdienste, die liegengebliebene Objekte entsorgen müssen. Dieser Gewohnheit sagen Jonas Bigler und Sam Kolahan nun gewissermassen den Kampf an. Im Herbst 2017 haben die beiden die Internetseite nimms.ch aufgeschaltet. Die Idee: Auf der Plattform sollen nicht mehr gebrauchte Gegenstände möglichst schnell ein neues Zuhause finden. Wichtig zu betonen ist ihnen, dass alle Angebote auf der Seite gratis sind und es auch sein müssen. «Als ich 2009 in Neuchâtel zu studieren begann, suchte ich erfolglos nach solchen Gratisangeboten», erklärt Sam Kolahan, «also begann ich über die Idee für eine solche Plattform nachzudenken.» Kolahan begann mit dem Programmieren einer ersten Version der Website. Vor einem Jahr stiess Jonas Bigler, der an einer ähnlichen Idee tüftelte, auf die Domain und die beiden begannen damit, zusammen zu arbeiten. «Wir ergänzen uns perfekt», meint er, «Sam hat die IT-Skills und ich das betriebswirtschaftliche Wissen.»

Alles gratis



Im Unterschied zu ähnlichen Plattformen akzeptiert nimms.ch keine Angebote, die mit einem Preis versehen sind. «Bei uns sind alle Gegenstände kostenlos», erläutert Jonas Bigler, «wir sind überzeugt davon, dass das die Hürde fürs Verschenken senkt.» Aktuell denken die beiden darüber nach, den Zugang zur Seite noch weiter zu vereinfachen und die Möglichkeit zu bieten, auch ohne Profil ein Angebot aufschalten zu können. Nach fast einem Jahr ziehen die Betreiber von nimms.ch eine positive Bilanz, wie Jonas Bigler meint: «Wir sind sehr zufrieden. Auf Facebook haben wir über 5000 likes und die Interaktion mit unseren Beiträgen ist sehr hoch.» Das zeigt sich auch an den Zahlen der Website, im Schnitt besuchen 150 Nutzer täglich nimms.ch, in den Spitzenzeiten liegt dieser Wert um die Tausend.

Weitere Partner gesucht

Trotzdem denken Jonas Bigler und Sam Kolahan weiter in die Zukunft – ganz im Sinne von sozialer Innovation mit einem partnerschaftlichen Modell, das die verschiedenen Akteure verbindet. Mit einem auf vier Säulen beruhenden Konzept soll die Seite in Zukunft noch weiter wachsen: «Zum ersten wollen wir die Usability verbessern, zweitens uns als Personen mehr in den Vordergrund rücken, drittens die Community stärken und viertens weitere strategische Partner finden», sagt Jonas Bigler. Aktuell wird nimms.ch von Entsorgung Recycling Bern unterstützt, nun sollen weitere Partner dazukommen, etwa öffentlich-rechtliche Institutionen aber auch NGOs. «Die grösste Schwierigkeit im Moment ist das fehlende Budget, um unsere Seite breiter bekannt zu machen», bringt es Sam Kolahan auf den Punkt. Denn die beiden haben eine grosse Vision: Die bekannteste Plattform für kostenlose Gegenstände in der Schweiz zu werden. Jonas Bigler betont, dass sie damit eine bedeutende Funktion übernehmen könnten: «Viele Städte haben aktuell hohe Ausgaben für die Entsorgung von wilden Deponien am Strassenrand. Wir könnten diese deutlich reduzieren.»



Im Moment investieren die zwei einen guten Tag pro Woche in das Projekt, nebst ihren sonstigen Erwerbstätigkeiten. Eins sei ihnen aber wichtig, wie Jonas Bigler sagt: «Wir erwarten keinen finanziellen Gewinn, wir sind glücklich, an diesem Projekt arbeiten zu dürfen.» Sie seien deshalb auch nicht auf der Suche nach herkömmlichen Investoren, meint Sam Kolahan: «Wir wollen mit verantwortungsvollen Partnern zusammenarbeiten, die uns und unsere Message verstehen.» Immerhin könnte so eine win-win Situation entstehen, von der alle profitieren. An Energie und Begeisterung scheint es zumindest nicht zu mangeln, wenn man Jonas Bigler zuhört: «Es ist sehr herzerwärmend zu sehen, wie viele Leute bereits nimms.ch benutzen und wir so tatsächlich einen Einfluss haben und nicht einfach nur davon reden, etwas zu verändern.»