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Der Mattebach: eine neue Oase für Fische und Wasserpflanzen

Aus den Quartieren

Eine kühle Geschichte für heisse Tage: Der Mattebach, das kleine Fliessgewässer, das sich entlang der Gerberngasse mitten durch die Matte zieht, hat eine lange und bewegte Geschichte. Von Brauchwasser über Wasserkraft für das Gerbergewerbe, vom Grundwasser-Sorgenkind zur Fischheimat – der kleine Bruder der Aare ist nicht nur aufgrund seiner Lage zentral für das Mattequartier.

Das Wöschhüsi ist das einzige noch erhaltene Waschhäuschen in Bern. (Foto: Sophie Muralt)

Erste schriftliche Quellen belegen die Existenz des Mattebachs um 1360. Der Bach stellte damals die Brauchwasserversorgung sicher. Brauchwasser ist Wasser, das sich nicht als Trinkwasser eignet, aber beispielsweise zum Waschen oder Bewässern von Gärten genutzt werden kann. Neben der Brauchwasserversorgung war der Mattebach für das Gewerbe der Gerber zentral. Die Gerber, die anfangs ihr Gewerbe an der unteren Gerechtigkeitsgasse betrieben, mussten aufgrund der Verunreinigung des Stadtbachs und des starken Geruchs in die Matte umziehen. Für die Verarbeitung roher Tierhäute zu Leder waren grosse Mengen an Wasser nötig. In der Matte versorgten mehrere künstliche Kanäle die Gerber mit dem nötigen Wasser. Noch erinnert der Strassenname «Gerberngasse» an das mittelalterliche Gewerbe.

Heute fliesst der Mattebach vom Schulhaus entlang der Gerberngasse am Wöschhüsi, dem einzigen noch erhaltenen Waschhäuschen, vorbei bis ans Ende des Platzes. An der Geberngasse 27 wird der Bach schliesslich eingedohlt und fliesst unterirdisch weiter. Das war nicht immer so. Der Mattebach war ursprünglich in seiner gesamten Länge oberirdisch geführt. Er wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus verkehrstechnischen Gründen eingedeckt. Der eingedeckte Abschnitt des Bachlaufs wurde mit einem vorfabrizierten Betonprofil Ende des 20. Jahrhunderts komplett erneuert. Die weit besser sichtbare Veränderung war aber die Öffnung des Bachs im Bereich der Schulhäuser. Die Schleuse wurde wieder in Betrieb genommen und der Beginn des Mattebachs zum Spielbach aufgewertet.

Der Bach und die Fische

Der Mattebach, ein künstlicher Kanal, bot lange keine idealen Verhältnisse für Fische, Wassertiere und Pflanzen. Lange war die Groppe die einzige Fischart im Mattebach. Der kleine, nachtaktive Fisch ist ein schlechter Schwimmer und wird unter anderem als Köderfisch beispielsweise für den Forellenfang verwendet. In der Matte schafft es der sonst oft vergessene Fisch zu erstaunlicher Berühmtheit. Der «Gröppu» hat unterhalb der Nydeggbrücke sein eigenes kleines Denkmal, eine Brunnenfigur.

Der «Gröppu» ist in der Matte eine kleine Berühmtheit. (Foto: Sophie Muralt)

Der «Gröppu» ist in der Matte eine kleine Berühmtheit. (Foto: Sophie Muralt)

Im Zuge der Sanierung und der Öffnung des Bachs im Bereich der Schulhäuser wurde die Sohle des Bachs mit grossen Flusskieseln aufgefüllt. Weiter wurde eine naturnahe Situation mit Blocksteinen geschaffen, welche eine Spontanbegrünung und Ruheplätze für Wassertiere begünstigen. Wie sich im Rahmen des Umwelttags 2017 zeigte, hatten diese Massnahmen positive Auswirkungen auf die Fischpopulation im Mattebach.

Naturierung des Mattebachs

Am Umwelttag der Stadt Bern wurden im letzten Jahr weitere ökologische Aufwertungen des Bachs vorgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt und dem Fischereiinspektorat hat der Matteleist als Quartierorganisation die Aufwertung geplant und den Umwelttag durchgeführt. Es wurden Blocksteine und Wurzelstöcke eingesetzt. Die Verschiebung und Einsetzung von Blocksteinen ermöglichte es, strömungsarme Zonen und Mulden zu schaffen. Die Mulden wurden mit Nährboden für Wasserpflanzen aufgefüllt und bepflanzt. Die Einsetzung von Wurzelstöcken an einzelnen Stellen im Bach schafft für kleine Fische eine ideale Umgebung.

Im Zuge der Naturierung wurden Blocksteine und Wurzelstöcke eingesetzt. (Foto: Sophie Muralt)

Im Zuge der Naturierung wurden Blocksteine und Wurzelstöcke eingesetzt. (Foto: Sophie Muralt)

Um die ökologische Aufwertung des Mattebachs durchzuführen, musste der Bach vorübergehend trockengelegt werden. Vorgängig wurde er ausgefischt. Für die Ausfischung verwendete der Fischinspektor ein Elektrofang-Gerät, welches einen Gleichstrom durch das Wasser leitet. Die Fische schwimmen zur Anode und können dort eingesammelt werden. So sammelte der Fischinspektor zahlreiche Flusskrebse, Groppen, Bachforellen, Elritzen, Barben und Egli ein. Sie wurden am Umwelttag wieder im Mattebach ausgesetzt.

Ungewollte Folge der Naturierung

Nach den Arbeiten zur ökologischen Aufwertung des Mattebachs wurden im Keller des Schulhauses vermehrt Feuchtstellen bemerkt. Messungen zeigten, dass die Ursache der Feuchtstellen das Grundwasser ist, welches nach oben drückt. Die Durchlässigkeit der alten Bachsohle war aufgrund des Schlicks und des Schlamms stark verringert. Durch den Einsatz der durchlässigen, kiesigen neuen Sohle wurde die Durchlässigkeit des Bachs erhöht. Dadurch fliesst mehr Oberflächenwasser aus dem Mattebach in die umliegenden Grundwasserträger, was zu einer Erhöhung des Grundwasserpegels führt.

Das Tiefbauamt der Stadt Bern plant, die neu eingesetzte Bachsohle sowie die Blocksteine und Wurzelstöcke auszuheben. Anschliessend wird auf dem Grund des Mattebachs eine Betonitmatte eingesetzt und seitlich an den Bachwänden befestigt werden. Die Betonitmatte dichtet die durchlässige Sohle im Bereich des Matteschulhauses ab. Die ausgehobene Kiessohle, die Blocksteine und die Wurzelstöcke werden am Schluss wieder eingesetzt. Damit werden auch für Pflanzen und Fische wieder ideale Verhältnisse geschaffen.

...führt das nach oben drückende Grundwasser zurück in den Mattebach. (Foto: Sophie Muralt)

...führt das nach oben drückende Grundwasser zurück in den Mattebach. (Foto: Sophie Muralt)

Autorin: Sophie Muralt

Quelle: Jürg Keller: Denkmalpflege in der Stadt Bern 1997 – 2000. Hrsg. von: Bernhard Furrer. S. 100 f.

Aus: BrunneZytig 1/2018