Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

«Wir sind ein Türöffner in den Arbeitsmarkt» - SIBA XIX

Soziale Innovation

Der Verein NETZWÄRK pflegt aktive Integration durch die berufliche Qualifikation und persönliche Entwicklung von geflüchteten Menschen.

Stephan Frey, Mitgründer von NETZWÄRK am Arbeitsplatz im Impact Hub (Foto: Frederike Asael)

«Die Idee entstand bei einem Bier im Restaurant», erinnert sich Stephan Frey, «wir haben damals vor Ideen gesprüht und wollten unbedingt unsere Energie für eine sinnvolle Aufgabe einsetzen. Die Flüchtlingskrise hat uns dann den Anstoss gegeben, einen Verein zu gründen.» Seit 2016 existiert dieser Verein, NETZWÄRK nennt er sich und dahinter stecken die zwei Freunde Stephan Frey und Reto Regez. NETZWÄRK ist eine Nonprofit-Organisation, die geflüchteten Menschen in der Schweiz die berufliche, soziale und kulturelle Integration ermöglichen will. Das Motto lautet denn auch: «Impact by social innovation».

Fokus auf Empowerment

«Wir wollten mit Menschen zusammen etwas kreieren. Durch die Vernetzung, die ja auch in unserem Namen steht, wollen wir einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen», erklärt Stephan Frey im Impact Hub Bern, wo er seinen Arbeitsplatz hat. NETZWÄRK startete vor zwei Jahren damit, erste Events zu organisieren, um die Öffentlichkeit, ArbeitgeberInnen und staatliche Stellen für die Integrationsbemühungen zu sensibilisieren. Bei diesen Veranstaltungen arbeiteten Geflüchtete in Küche, Service und Eventprojektleitung mit. Die Anlässe liefen gut, sagt Stephan Frey. Während eineinhalb Jahren führte NETZWÄRK diese Events durch, in der Grössenordnung von bis zu 900 Personen. «Unser Anspruch war stets, etwas Soziales zu machen aber dabei einen professionellen Eindruck zu hinterlassen.» Dazu suchten sie Händler und Lieferanten aus der Region, verwendeten saisonale Produkte und waren so auf einen ressourcenschonenden Umgang bedacht.

Nach dem ersten Jahr stellte Stephan Frey fest, dass ihre Idee so sehr auf Zuspruch stiess, dass sie noch weiter ausbauen wollten: «Anfangs war die soziale Innovation noch etwas Fremdes für uns, mittlerweile hatten wir uns in dem neuen Umfeld aber zurecht gefunden und arbeiten mit vielen Personen zusammen, die ein Mindset hatten, das sich stark auf Menschen und Werte bezog. Das hat mich sehr beeindruckt.» Die beiden Gründer von NETZWÄRK beschlossen, ihren Fokus verstärkt auf Empowerment auszurichten. Sie bauten einen Cateringservice auf und begannen damit, Geflüchtete im Gastrobereich auszubilden. Schnell häuften sich die Aufträge, anfangs für Bekannte, später für grössere Organisationen und auch für Bundesrätin Simonetta Sommaruga. 



An der Wirtschaft orientiert

Von Anfang an war für Stephan Frey klar, dass NETZWÄRK ohne Fremdgeld auskommen sollte. «Viele Organisationen, die permanent auf Stiftungsgelder angewiesen sind, haben es schwer nachhaltig erfolgreich zu sein.» NETZWÄRK wollte stets ein Verein sein, der sich finanziell selbst tragen kann. Momentan werden durch das Cateringangebot die anderen Projekte querfinanziert. Aktuell steckt etwa das NETZWÄRK Inclusion Program in der Planungsphase, ein Ausbildungsangebot das Erwerbslosen die Unabhängigkeit zurückgeben will und sie in dem mehrmonatigen Ausbildungsprogramm an die spezifischen Anforderungen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt heranführt. Das sechsmonatige Programm, von ArbeitgeberInnen finanziert, beinhaltet im ersten Teil Workshops zur Aktivierung von Fähigkeiten. Damit wird ein sicherer workspace geschaffen, der Geflüchtete beim Aufbau von Selbstwertefühl und in ihren Handlungs- und Fachkompetenzen unterstützt. Im zweiten Teil des Programms finden Arbeitseinsätze bei verschiedenen Unternehmen statt, die anschliessend eine Anstellung ermöglichen sollen. «Das ist nachhaltige soziale Innovation, die sich stark an der Wirtschaft orientiert. Das Geschäftsmodell soll sich selbst tragen. Firmen werden dabei in Verantwortung genommen und sollen unsere Dienstleistung mitfinanzieren», erklärt Stephan Frey.

Der Verein ist gut vernetzt, tauscht sich regelmässig mit einer Kooperationsgruppe von euforia aus, in der ähnliche Organisationen wie Singa oder Capacity mitwirken. In Bern arbeitet NETZWÄRK mit La Ribollita, In-Limbo oder Wagen zum Glück zusammen und spricht sich mit der Caritas und dem Schweizerischen Roten Kreuz ab. Begleitet werden Stephan Frey und Reto Regez von be-advanced, der Kantonalberner Innovationsförderagentur. Und wie soll es weitergehen? «NETZWÄRK ist erwachsen geworden», sagt Stephan Frey, «nun geht es darum, den Verein neu zu strukturieren. Vieles, was wir machen ist noch zu wenig sichtbar, auf der Website etwa findet sich momentan nur ein Bruchteil unserer Aktivitäten.»