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Journal B

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Ein Verbündeter der Filmbranche - Persönliche Erinnerungen Teil 2

Der kürzlich verstorbene Ex-Stadtpräsident Alex Tschäppät hat seine Spuren in dieser Stadt und bei ihren Bewohnenden hinterlassen. Journal B sammelt persönliche Erinnerungen an eine grosse Persönlichkeit. Die Erinnerung von Lucie Bader und Peter Erismann legen nahe, dass der ehemalige Stapi ein offenes Ohr für die Filmschaffenden hatte.

Nicht nur die Stadt Bern, sondern auch der Schweizer Film verdankt Alexander Tschäppät eine ganze Menge. (Bild: Nino Ruef)

Mit Alex Tschäppät verliert die Filmbranche einen zuverlässigen politischen Verbündeten. Während vieler Jahre setzte er sich nicht nur im Nationalrat für die Anliegen der Filmbranche ein, sondern unterstützte diese auch als Präsident der Dachorganisation Cinésuisse. Unter seiner Ägide konnte die Ende der 90er Jahre ins Leben gerufene Cinésuisse-Arbeitsgruppe «Vision» erstmals kontinuierlich als Scharnierstelle zwischen dem Parlament und der Branche tätig sein. Er verschaffte mir als damaliger Präsidentin von «Vision» den Zugang zum Bundeshaus, indem er mir einen seiner begehrten Lobbyisten-Ausweise zukommen liess. Filmgesetzrevision und die deutliche Erhöhung des Filmkredits - zwei wichtige Geschäfte - waren damals auf der filmpolitischen Agenda. Es war ein hartes Ringen, insbesondere nach dem «Filmriss», als der Ständerat 2001 die Gesetzesrevision an den Bundesrat zurückwies. Mit viel Energie und Fantasie konnten wir die BundesparlamentarierInnen von der Wichtigkeit des neuen Gesetzes überzeugen.

Es war aber nicht nur das Parlament, das überzeugt werden musste. Es galt auch, «die völlig divergierenden Interessen der Filmbranche unter einen Hut zu bringen», wie Tschäppät in einem Cinébulletin Interview (6-7/2001) verlauten liess. Mit vereinten Kräften und vielen Verhandlungen, an denen Tschäppät sich aktiv beteiligte, war dies dann auch möglich. Nicht nur die Stadt Bern, sondern auch der Schweizer Film verdankt Alexander Tschäppät daher eine ganze Menge.

Lucie Bader


Alex Tschäppät wollte vor fast zehn Jahren die Subvention für das Kino Kunstmuseum kürzen, weil das Kunstmuseum beschlossen hatte, dass ein Kino nicht mehr zum Kerngeschäft der Kunst gehöre. Das gelang nicht, weil sich der Stadtrat quer stellte und uns, den Verein Cinéville, beauftragte, eine neue Lösung für ein städtisches Programmkino zu suchen.

Als wir vor fünf Jahren das Projekt Kino REX Bern entwickelten und für den notwendigen Umbau auf Geldsuche gingen, war der Stadtpräsident einer der ersten, der sich dafür begeistern liess und aus seiner Präsidialschatulle 100'000 Franken zur Verfügung stellte. Wir fanden die restlichen 1,7 Millionen Franken und Alex Tschäppät hielt an der Eröffnung des REX im Herbst 2015 eine Stapi–Rede, die all die Auseinandersetzungen zwischen ihm und uns vergessen liessen – das REX leuchtet und lebt seither, die Stadt ist weiterhin unser Hauptsubventionsgeber und ich durfte stellvertretend für unseren Verein im November 2016 von ihm den Dr. Jost Hartmann–Preis der Denkmalpflege für den gelungenen Umbau des Foyers in Empfang nehmen – eine seiner letzten Amtshandlungen als „Häuptling" von Bern.

Eine letzte und berührende Begegnung war auf dem sonnenbeschienenen Bärenplatz vor gut sechs Wochen: Auf die Frage, ob er bald wieder einmal zu uns ins Kino komme, meinte er freudig: Ja klar, zum Summer of Love – zu unserer Reihe mit Filmen von 1968.

Peter Erismann