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Journal B

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Alex Tschäppät - persönliche Erinnerungen

Der kürzlich verstorbene Ex-Stadtpräsident Alex Tschäppät hat seine Spuren in dieser Stadt und bei ihren Bewohnenden hinterlassen. Journal B sammelt persönliche Erinnerungen an eine grosse Persönlichkeit.

Alexander Tschäppät an einer Medienkonferenz (Foto: Peter Brand)

Alex war ein Charakterkopf, konnte einem auf den Geist gehen und lag ihm ein Projekt am Herzen und man war nicht der gleichen Meinung, konnte er auch schon mal eingeschnappt sein. Als ich als Kommissionsprecherin des Dossiers «Sanierung Stadttheater Bern» darauf bestand, dass die Kommission über einen kritischen Bericht in Bezug auf die finanziellen Rückstellungen informiert wird, hat er eine Weile nicht mehr mit mir geredet. Ja, er war eine Diva, im Gegensatz zu vielen anderen hat sich der Rauch dann aber auch wieder gelegt. Das mag komisch klingen, aber es hat ihn für mich menschlich sehr nah- und greifbar gemacht. Er hat gezeigt, wenn er verärgert war, es gab kein «hingedüre» wie es in der Politik leider oft der Fall ist. Und mit ihm konnte man auch offen reden, ich habe ihm ein paar Mal gesagt «itz närvsch» und darob war er nie «gnärvt».

Ich wollte ihn unbedingt noch einmal sehen und wir waren in der Frühjahrssession etwa eine Stunde käfelen. Wir haben viel über unser altes Bern geredet, die Beizen, in welchen wir aufgewachsen sind (er Wäbere, ich Pyri), über das Eckige, Kantige und Rauchige, das Bern hatte, die Abgründe und Charaktergringe, die heute aus verschiedenen Gründen immer weniger in der Stadt Bern anzutreffen sind. Heute mag man es lieber rausgeputzt und feingeschliffen, man hat lieber ein Latte Macchiato als süffigen Weissen am Stammtisch. Die Stammtische, das war unser Bern! Alex war eckig und kantig, alles andere als ein kommunikativ weichgespülter Politiker und aus diesem Grund war er für mich immer ein Vorbild – er war authentisch und menschlich, war sich nicht zu schade, seine Gefühle zu zeigen und mit allen zu reden – egal ob mit einem Alki auf der Gasse oder mit internationalen Grössen. Dieses Vakuum, und das meine ich jetzt vor allem politisch, werden nicht viele füllen können.

Lea Kusano



Die Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, die mich in den letzten Wochen beschäftigten, haben mit dem Tod von Alex nochmals eine andere Intensität und Aktualität erhalten.

Beeindruckend war seine Sensibilität, insbesondere in wichtigen Momenten oder bei Diskussionen unter vier Augen: Alex hatte eben auch diese Seite, dass ihm die Meinung von andern nicht gleichgültig war, dass er zuhören und aufnehmen konnte, dass ihm Differenzen manchmal unter die Haut gehen konnten. Er konnte diese Nähe zulassen und hat manchmal daran gelitten. Es war aber auch eine seiner grossen Stärken, weil er seine Einschätzungen damit immer wieder überprüft hat und sich auch überzeugen lassen konnte.

Beeindruckend war seine Leidenschaft, mit der er sich insbesondere auch im Stadtrat eingesetzt hat, wenn ihm etwas am Herzen lag. Dazu gehört die Reitschule, aber ebenso die Tatsache, dass die Stadt-Bevölkerung sich in mehreren Abstimmungen demokratisch hinter die Reitschule gestellt hat. Die Demokratie und die Achtung ihrer Institutionen, dafür setzte er sich klar und leidenschaftlich ein. Sensibilität und Leidenschaft bleiben für mich verbunden mit der Erinnerung an Alex.

Thomas Göttin