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Nina Fauser: Engagiert für die Oase am Thunplatz

Quartierarbeit unter freiem Himmel, auch das gibts in Bern. QTT-Vorstandsmitglied Nina Fauser stellt den Quartiertreff Thunplatz vor.

  • Der QTT-Vorstand mit (von links) Marc Hählen, Nina Fauser, Christina von Gunten und Dominik Walser (Foto zvg).
  • Flohmarkt am Sommerfest 2016 (Foto: Andreas Bernasconi).
  • Filmnacht am Sommerfest 2015 (Foto: Andreas Bernasconi).

Unter den vielen Treffs in der Stadt Bern fällt einer schon aus formalen Gründen auf: Der Quartiertreff Thunplatz (QTT) steht im Freien, ist ein Grundstück der Burgergemeinde Bern und eigentlich nur ein kleines Stück Land mit Baldachin, Garten und Geräteschopf. Aber: Der QTT bekommt eine unglaubliche Grösse, wenn sich das halbe Kirchenfeld-Quartier zum jährlichen Sommerfest trifft und den Perimeter zwischen Thunplatz und Seil-Park zum Leben bringt.

Nina Fauser, 32-jährige Sozialarbeiterin, ist eines von vier ehrenamtlichen QTT-Vorstandmitgliedern. Sie ist für einen Teil der Sekretariatsarbeit und die Kinderprogramme verantwortlich sowie im Organisationskomitee des Sommerfests.

Nina, wie bist Du 2013 zum QTT gekommen?

Nina Fauser: Als damals relativ neu-zugezogene Quartierbewohnerin habe ich einen Flyer für das Sommerfest bekommen. Das hat mich sehr interessiert. Das Verrückte daran ist: Ich war schliesslich gar nicht am Fest, bin aber danach als jüngstes Mitglied in den Vorstand gerutscht, da der QTT neue Vorstandsmitglieder gesucht hat. Mit grossem Interesse und auch einer Portion Naivität, die ich heute nicht bereue, bin ich Vorstandsmitglied geworden.

Das Sommerfest scheint wichtig zu sein für den QTT. Es taucht in allen Erzählungen auf…

Ja, es ist unser Hauptevent – und es hat immerhin eine 25-jährige Tradition, das heisst im August 2017 gibt es ein Jubiläums-Sommerfest. Traditionell ist auch der Ablauf: Am Freitagabend Kino in Zusammenarbeit mit dem «Lichtspiel», dieses Jahr zum Thema «Bouquet garni», am Samstag der Kinder-Flohmarkt, ein Markt mit vielen Märitfahrenden und diversen Angeboten wie Brocante, Honig, Schmuck oder Handarbeiten, ein vielfältiges Kinderprogramm, kulinarische Höhenflüge und diverse Bands. Am Sonntag werden alle Helfer und Helferinnen eingeladen zum Helfer-Brunch und danach wird gemeinsam aufgeräumt. Wir haben ein recht konstantes Organisationskomitee unter der Leitung von Isabelle Walser, welche nun seit vier Jahren die Hauptleitung hat. Es herrscht jeweils eine sehr familiäre Atmosphäre und wir hatten fast immer Wetterglück.

Was hat der QTT ausser dem Fest sonst noch zu bieten?

Zwischen Mai und Oktober gibt es mehrere Events auf unserem Grundstück. Nebst privaten Anlässen – man kann den Platz mieten – sind das zum Beispiel Grillabende, Spielnachmittage für Kinder, Yoga-Schnupperstunden, neu ein Speedminton – das ist Badminton mit Geschwindigkeit – und zum Jahresabschluss ein Räbeliechtli-Umzug in Zusammenarbeit mit der Wald-Kita Murifeld.

Wie steht‘s mit Eurem Budget?

Das Jahresbudget beträgt 22'000 Franken. Trotz des grossen Sommerfestes kann der Verein jeweils finanziell «rauskommen». Der grösste Teil der Einnahmen setzt sich aus den regelmässigen Vermietungen zusammen. Aufgrund unserer Quartierarbeit erhalten wir zudem eine jährliche Zuwendung der VBG von 1500 Franken.

Zukunftsvisionen

Nina Fauser, die sich selbst als offen und neugierig bezeichnet, ist in Schüpfen aufgewachsen und arbeitet aktuell beim Sozialdienst der Gemeinde Belp. Diese Stelle hat sie allerdings gekündigt, weil sie sich ein halbes Jahr in Bolivien in einem Kinderprojekt engagieren will. Ihren Südamerika-Trip legte sie natürlich zwischen zwei Sommerfeste, damit sie keines verpasst. Auch sonst bleibt sie dem Quartiertreff treu, denn:

Inzwischen wohnst du in der Altstadt und könntest dich ganz bequem aus geographischen Gründen absetzen…

Nina Fauser: Nein, das möchte ich nicht. Ich bleibe gerne vernetzt. Es fägt einfach dort und man trifft auch immer wieder interessante Menschen. So kommt auch immer etwas zurück.

Wie sind die Leute im Kirchenfeld?

Beim Quartiertreff, wo die Anonymität durchbrochen ist, erlebe ich sie natürlich von einer geselligen, vertrauten Seite. Aber im Breitsch, wo ich auch mal gewohnt habe, ging das Kennenlernen schneller. Ich denke, die Leute sind im Kirchenfeld gerne ein bisschen für sich.

Was habt ihr beim QTT für Zukunftsvisionen? Mit Gründungsjahr 1991 könnte es ja Abnützungserscheinungen und Motivationsprobleme geben.

Ich bin zuversichtlich, weil wir immer wieder Neues ausprobieren. Dieses Jahr zum Beispiel hat unsere Kollegin Isabelle Walser ein Projekt «Offener Quartiertreff» lanciert, das unter anderem Begegnungen zwischen den Generationen fördern soll. Mit solchen neuen Angeboten werden hoffentlich Leute auf uns aufmerksam, die unseren Treff vorher noch nicht kannten. Auch Vorstandmitglied Marc Hählen, ein «Bästeler», bringt immer wieder Neues hinein, zum Beispiel zwei Fotovoltaik-Anlagen. Oder auch das Vorstandsmitglied Dominik Walser: Er hat im vergangenen Jahr die Website erneuert. So wird es uns sicher nicht langweilig.

Habt Ihr Konkurrenz im Quartier?

Es gibt im Kirchenfeld kaum Vergleichbares, allenfalls noch das Punto im alten Tramdepot. Der Thunplatz mit seinem Kreisel und dem vielen Verkehr ist ja sehr ungastlich. Aber ein paar Meter später kann man bei uns schon eine echte Oase in Waldnähe erleben.

Und das legendäre Sommerfest.

Ja, genau. Kommt alle vorbei. Dieses Jahr vom 18. bis 20. August!

Gerda Hauck

Gerda Hauck, später Integrationsverantwortliche der Stadt Bern und heute engagiert im Haus der Religionen, gehörte 1991 zu den GründerInnen des QTT. In einem Mail schrieb sie zur Entsehungsgeschichte:

«Ich war damals in der Quartiervertretung Stadtteil IV und u.a. zuständig für Spielplätze. Wir suchten nach Alternativstandorten für den überlasteten Spielplatz an der Aare neben dem Restaurant. In dem Zusammenhang haben wir zusammen mit einer Gruppe von Müttern ganz viele Standorte geprüft und stiessen auf den Schrebergarten, der eigentlich schon ein Quartiertreff war, weil viele ihn frequentierten, um Beeren oder Salat von der Frau, die den Schrebergarten betrieb, zu kaufen. Mir kam dann die Idee, wir könnten doch in unserem Quartier auch einen Quartiertreff machen, weshalb wir mit der Burgergemeinde verhandelt haben, die zusagte (die Schrebergärtnerin war damals gerade gestorben). Die ersten Mieten hat der Kirchenfeld-Brunnadern-Elfenau-Leist vorgestreckt.»