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KOLUMNE /

Aline Trede

16.03.2017 | 09:22

Unsere Kolumnistin Aline Trede zum Film «Die göttliche Ordnung» und zum Women's March vom Samstag.

2 x Pussyhat: Aline Trede mit Tochter. (Bild zvg)

Ein Film sorgt momentan für Furore: «Die göttliche Ordnung». Ist der Inhalt dieses Films so brisant, handelt es sich um einen Thriller, ist er islamfeindlich und darum so diskutiert? Nein, der Film kommt leider einfach nur zum richtigen Zeitpunkt. Und natürlich ist er sehr gut. Er handelt von der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz. Ich sass im Kino, sah diese Bilder und wähnte mich Jahrhunderte zurück. Im Mittelpunkt steht eine ziemlich typische Schweizer Familie in einem kleinen Appenzeller Dorf. Alle kennen sich, alle sind miteinander verbandelt oder sogar verwandt, alle voneinander abhängig. Eine Frau durfte ohne Unterschrift ihres Mannes weder arbeiten noch ein Konto eröffnen. Und wählen und abstimmen schon gar nicht. Ja, dachte ich, kommt mir sehr verstaubt vor das Ganze.  

Der Film spielt aber nicht vor Jahrhunderten sondern 1971! Und Dreiviertel der KinobesucherInnen haben dieses Jahr miterlebt. Sehr krass. Das Frauenstimmrecht war ein Anfang, aber damit wars noch lange nicht geschafft.  

Aline Trede mit Regisseurin Petra Volpe. (Ausriss SI)

Aline Trede mit Regisseurin Petra Volpe. (Ausriss SI)

Mit Latzhose und Sonnenbrosche  

Ich kam 1983 auf die Welt. Fünf Jahre später wurde das Eherecht angepasst. Also nicht, dass ich mich erinnern mag. Dann 1991 erst wurde die Gleichstellung in der Verfassung festgeschrieben. Da war ich in der 1. Klasse. Um drei Jahre später, am 10. März 1993, an meiner ersten Demo teilzunehmen – für die erste Bundesrätin nach Elisabeth Kopp. Es war der Tag, an dem Ruth Dreifuss gewählt wurde. Und ich stand mit violetten Latzhosen und goldener Sonnenbrosche auf dem Bundesplatz. An diesem Tag habe ich das einzige Mal in meinem Leben die Schule geschwänzt. Sozusagen mein persönlicher kleiner Frauenstreik und bin mit meiner Mutter zur Demo gefahren.  

Und jetzt ist es wieder so weit. Hillary Clinton wurde nicht gewählt. Weil sie eine Frau ist? Stattdessen wurde ein sexistischer, fremdenfeindlicher Mann neuer US-Präsident. Hunderttausende Frauen gingen in den USA und auf der ganzen Welt auf die Strasse, um dagegen zu protestieren. Und auch in Zürich wird nächsten Samstag der Women's March stattfinden. Einmal mehr werde ich fürs Gleiche auf die Strasse gehen wie 1993. Geändert hat sich nur die Kleidung. Ich trage nicht mehr violette Latzhosen, sondern einen pinken Pussyhat. Den ich, wie in der letzten Kolumne erwähnt, selber gestrickt habe.  

Kommst Du auch mit?  

Auch wenn es mühsam ist, immer für die gleichen Themen zu demonstrieren, braucht es die Bewegung auf der Strasse. Nur so werden die Ungleichheiten sicht- und fassbar. Ich freue mich auf die nächste Demo am Samstag und hoffe, dass sie gross wird. Meine Tochter wird mit Pussyhat zum ersten Mal dabei sein – und es wird sicher nicht ihre letzte Gleichstellungs-Demo sein, so viel ist sicher. Was sie wohl in 30 Jahren tragen wird?  

Kommst auch du mit? Wir sehen uns in Zürich!  

Women's March Zürich, 18. März 2017, Treffpunkt 13.30 Uhr am Helvetiaplatz in Zürich.