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Drei Bücher ganz für sich haben

Vier Berner Buchhandlungen erproben Neues. Sie lancieren zum Welttag des Buches am 23. April das Leseförderungs-Projekt «3 Bücher». Worum geht es? Ein Gespräch mit Gabriela Bader von der Buchhandlung zum Zytglogge.

Gabriela Bader: Engagement für Kinder und Jugendliche, in deren Familien das Geld für Bücher fehlt. (Foto: Iris Krebs)

Journal B: Worum geht es im Projekt «3 Bücher»?

Gabriela Bader: Die Idee ist: «Bücher-Gotten» und «Bücher-Göttis» schenken Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren, die kaum oder keine eigenen Bücher besitzen, pro Jahr drei Bücher. Sie treffen sich mit den Beschenkten und reden über Bücher, das Lesen, Gott und die Welt. Die Stadt Bern unterstützt das Projekt.

Warum ist Deine Buchhandlung dabei?

Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizerischen Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV) fragte verschiedene Berner Buchhandlungen für das Pilotprojekt an. Da wir auch ein kleines Sortiment an Kinder- und Jugendbüchern führen, machen wir mit. Zusammen mit den drei weiteren Buchhandlungen änderten wir das ursprüngliche Konzept etwas ab, so dass es zu uns vieren passt.

Journal B: Was versprichst Du Dir davon?

Gabriela Bader: Das Lesen zu fördern. Die öffentlichen und die Schulbibliotheken machen in dieser Hinsicht viel. Wir können aber auch etwas beisteuern. Und dann ist noch der Gedanke: Man kann Bücher nicht nur ausleihen, sondern auch kaufen und bei sich zu Hause behalten als etwas, das einem bleibt, einem gehört. Manchmal begleitet einen ein Buch ja das ganze Leben.

Wem soll die Aktion dienen?

Vor allem Kindern und Jugendlichen, bei denen zu Hause das Geld fehlt, Bücher zu kaufen. Es geht um junge Menschen, deren Eltern nicht selbstverständlich Bücher besitzen. Natürlich kommen Kinder und Jugendliche in den Bibliotheken an Bücher, aber die müssen sie immer wieder zurückgeben.

Wie ist das mit den Gotten und Göttis?

Bisher haben sich fast ohne Werbung 18 Personen bei den vier Buchhandlungen gemeldet. Das finde ich schon toll. Jeden Tag gehen weitere Anmeldekarten weg. Das Interesse, sich zu engagieren, ist gross.

Und wie erreicht Ihr die Kinder und Jugendlichen?

Wir sind eben gestartet, die Suche ist im Gang. Wichtige Mittelspersonen sind Lehrerinnen und Lehrer. Wir wenden uns gezielt auch an Schulen auf der Sekundarstufe II, etwa an die BFF, die zahlreiche Flüchtlinge schult. Zudem sind wir im Kontakt mit dem TOJ, dem Trägerverein für die offene Jugendarbeit der Stadt Bern.

Was passiert am 23. April?

Am Welttag des Buches gibt es im «Sternensaal» Bümpliz ein kleines Fest mit den Kinderbuchautoren Lorenz Pauli und Regina Duerig. Eingeladen sind die Kinder und Jugendlichen, ihre Eltern, die Gotten und Göttis mit uns.

Und dann?

Die «Bücher-Gotten» und «Bücher-Göttis» treffen sich mit den Kindern und Jugendlichen jeweils an drei festgelegten Tagen pro Jahr in einer der teilnehmenden Buchhandlungen. Sie helfen bei der Auswahl der Bücher, schenken diese den Kindern und reden mit ihnen darüber. Die Form suchen wir noch. Der halböffentliche Ort ist wichtig, damit keine falschen Verdächtigungen aufkommen.

Habt Ihr eine Vorstellung von der Zahl der Mitmachenden?

Nein. Wenn 20 Kinder und Jugendliche mitmachen, ist es gut. Natürlich können es auch deutlich mehr sein. Unser Vorhaben ist ein Pilot, wir probieren für die ganze Schweiz etwas aus.

Geht es weiter?

Der SBVV wird das Vorhaben auch anderswo lancieren. Und wir selbst wiederholen es vielleicht auch, wenn es gut kommt. Darüber werden wir nach Abschluss und Auswertung informieren.

Lesen zu fördern, heisst Menschen fördern

Lesen ist nötig und nützlich. Und Lesen öffnet Welten, ohne dass man reisen muss. Um Beides geht es bei «3 Bücher», um Abhilfe bei der Last und um Hinführung zur Lust des Lesens. Ob man es «Grundkompetenz» nennt oder «Kulturtechnik» ist egal – Lesen bereichert in sozial- und umweltverträglicher Weise. Lesen zu fördern, heisst Menschen fördern.

Christoph Reichenau