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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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KOLUMNE /

Marina Bolzli

13.01.2017 | 14:10

Ein Plädoyer für Berns schrägstes und vielfältigstes Radio.

Ein schräger Vogel begleitet mich durch mein Leben. Irgendwann flog er mir zu, es muss während des Studiums gewesen sein, vor mehr als einem Dutzend Jahren. Am Anfang war der Samstagnachmittag. Meine WG-Kollegin und ich schalteten das Radio ein, Hip-Hop. Die Anrufer rappten live. Das klang mal grossartig, mal miserabel. Und passte irgendwie in die Stunden vor dem Ausgang. Später änderten sich Musikgeschmack und Wohnform. RaBe blieb. Heute gehört «Jazz am Sunntig» (10-11 Uhr) zum Sonntagmorgen. Alles ist leicht und luftig. Die zwei unaufgeregten Moderatoren entspannen unser Familienleben. Kein Wunder, sind Jazz-Matinees so beliebt.
Am Samstag, pünktlich zur Essenszeit (18 Uhr!), steht «Stereo Freeze» auf dem Programm. Wer bereits die Moderatoren von «Jazz am Sunntig» entspannt findet, der wird bei Daddy Noc und Fi zu Schnurren beginnen. Die beiden widmen sich Jamaica, dem Reggae und Rocksteady. Der Kleine schreit nicht mehr herum, sondern kaut kopfnickend seine Rüebli. Die Grosse fragt endlich nicht mehr nach der «Schwiizergoofe»-CD, die ein Grossverteiler gratis verteilt hat. Und die Eltern können in Ruhe mit Rotwein anstossen.
So sind viele RaBe-Sendungen fest mit unserem Tagesablauf verbunden: Am Freitag die Kinder für die Kita parat machen? Dazu läuft Hiphop, der die Kleinen auf die Strasse vorbereitet («Der Morgen» mit Speedee und Dänu, 8-11 Uhr). Am Samstagmorgen nach der langen Woche Ordnung machen? Folkrock und Blues mit Bruce versüsst diese Zeit («Der Morgen», 8-11 Uhr).
Dazu gehört auch, dass nach Bruce «Piazza Italia» (Sa, 11-13 Uhr) folgt. Etwas laut und etwas poppig für unsere Familie. Nach einiger Zeit stellt immer jemand das Radio aus. Kein Problem, das ist RaBe. Die Vielfalt macht es aus. Da müssen nicht alle dasselbe mögen. Und «Piazza Italia» ist mir hundertmal lieber, als tagein tagaus dieselben eingängigen und braven Popsongs zu hören.
Ein Freund hat mir mal erzählt, dass er immer am Montagnachmittag wasche, damit er in Ruhe Tomzoff hören könne («70-80-90 Mambo!», Mo, 13-16 Uhr). Ich hingegen halte Tomzoffs Gequatsche fast nicht aus. So stellt sich jeder und jede das eigene Programm zusammen. Es gäbe wohl noch viel mehr Sendungen, die mir gefallen würden. Leider kenne ich sie nicht. Weil sie zeitlich nicht zu meinem Familienrhythmus passen. Aber irgendwann ändert auch der sich wieder.
Und so wünsche ich RaBe noch 21 weitere wunderbare Jahre. Mindestens. Auf dass ich dereinst gemütlich Radio Silbergrau (jeden ersten Dienstag im Monat, 17 Uhr) hören kann.

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Unter diesem Link kann das vielfältige Programm gehört werden.