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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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Mein Jahr als Stadtratspräsident

Als Stadtratspräsident habe ich etwa 50 Anlässe besucht und 25 Reden gehalten. Dabei habe ich in einer hellwachen Stadt viele engagierte Menschen erlebt, denen ich so die Wertschätzung der Stadt überbringen konnte.

  • Galakonzert «Musik ohne Grenzen» der KMBern im Casino. (Foto zvg)
  • Fussballturnier des Ostbärn FC. (Foto zvg)
  • Mit jungen Gästen aus der Ukraine im Erlacherhof. (Foto zvg)

Ich staune über den Elan der jungen Generation: Die Knabenmusik Bern (die längst keine Knabenmusik mehr ist und sich heute KMBern nennt) veranstaltete ihr Galakonzert im Casino unter dem Motto «Musik ohne Grenzen» zusammen mit Flüchtlingen. Selten habe ich ein Konzert mit einer so ansteckenden Begeisterung erlebt. In der alten Feuerwehrkaserne Viktoria befinden sich neben den Asylbewerbern rund 20 Projekte und Gewerbebetriebe unter einem Dach, wo sich junge Leute für Projekte der sozialen Innovation einsetzen. Ähnliches tut sich auch im PROGR und im Generationenhaus der Burgergemeinde.

Wie wichtig für viele die Würdigung des Beitrags der Migrantinnen und Migranten für die Stadt Bern ist, zeigte sich an der offiziellen Feier im Dezember im Sternensaal: anhand von vielen Gesprächen und noch mehr gemeinsamen Selfies. An der Feckerchilbli auf der Schützenmatte anerkannte Bundesrat Alain Berset ein erstes Mal die Bezeichnung der Jenischen und Sinti in der Schweiz. Und ich hörte unvermittelt Menschen statt einer der vier Landessprachen eine fünfte sprechen. 

Beim Turnier des jüngsten Berner Fussballclubs Ostbärn FC mit bunt zusammen gewürfelten Mannschaften aus Fussballern, StadträtInnen und Flüchtlingen vermochte selbst der strömende Regen den Elan nicht zu bremsen.

Es freut mich darum besonders, dass bei den Stadtratswahlen die junge Generation in verschiedenen Parteien und gleich mit mehreren Sitzgewinnen verstärkt im Parlament Einzug hält.

Bereits im Sommer hatte ich im Erlacherhof zusammen mit zwei der jüngsten StadträtInnen eine Delegation junger Leute aus der Ukraine empfangen, welche sich für Demokratie einsetzen. Diese Begegnung hat mich sehr direkt daran erinnert, wie gefährdet Werte wie Demokratie und Menschenrechte weltweit sind, und wie tief mich Menschen beeindrucken, die sich dafür einsetzen. Die Erinnerung hat mich kurz vor Weihnachten bei einem privaten Fest hautnah eingeholt, als einer der Gäste solo ein Lied vortrug: der Gast war einer der jungen Flüchtlinge aus Afghanistan, die bei «Musik ohne Grenzen» der KMBern auf der Bühne standen. Es war das gemeinsame Abschlusslied des Konzertes im Casino: «Du fragsch mi wär i bi, du fragsch mi was i cha…» Dieses Jahr war mir nicht nur in diesem Moment zum Heulen zumute.