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Berns Sonnenseite - SIBA X

Soziale Innovation

Eigenen Solarstrom produzieren ohne ein eigenes Flachdach zu haben? Das Berner Projekt «Sunraising» macht dies nun möglich.

  • Melanie Mettler und Matthias Egli habe Sunraising gegründet (Bild: Luca Hubschmied)
  • An der Preisverleihung der Energy Challenge zusammen mit Sunraiser Greis (Bild: Aroma)
  • Standaktion von Sunraising auf dem Bundesplatz (Bild: Aroma)

In der Stadt Bern wurden 2015 bereits 62% des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien bezogen. Strom aus Sonnenenergie deckte aber insgesamt nur einen Hundertstel des Berner Stromverbrauchs. Dass sich dies in Zukunft ändern könnte, zeigt die Initiative Sunraising. Bürgerinitiative, Quartierbewegung und Nachhaltigkeitsprojekt in einem, will Sunraising, gegründet von Melanie Mettler und Matthias Egli, die lokale Produktion von Sonnenergie fördern. «Mieterinnen und Mieter in Bern erhalten von uns Solarstrom aus dem Quartier», erklärt mir Melanie Mettler, «sie können sich einen Quadratmeter Solardach ergattern und bekommen während zwanzig Jahren direkt über die EWB-Abrechnung diesen Strom gutgeschrieben.»

Den Bezug herstellen

Was Sunraising von anderen Anbietern unterscheidet, ist, dass der Solarstrom dort produziert wird, wo er auch verbraucht wird und die Abrechnung direkt über den Energieversorger läuft. Schon jetzt könne man bei der EWB Ökostrom kaufen, der Bezug dazu sei jedoch «völlig bezugs- und emotionslos», meint Melanie Mettler. Die Stadt Bern stellt für das Projekt Dächer ihrer Liegenschaften zur Verfügung. Sunraising funktioniert wie eine Crowdfunding-Plattform für die Bewohner aus dem Quartier, diese können sich an der Installation der Solarzellen auf dem Dach beteiligen und erhalten dafür anteilsmässig ihren Solarstrom. Die technische Bereitstellung und die Auslieferung des Stroms erfolgt dann über die EWB.

Das Quartier ergreift die Initiative

Dass Bern der richtige Ort für ein solches Projekt sei, betont Matthias Egli: «In Bern spricht sich eine grosse Mehrheit für die Abschaltung der Atomkraftwerke aus. Hier besteht die Möglichkeit, das Interesse in den Quartieren selber zu wecken, ohne dass jemand von oben kommt und bestimmt, dass das jetzt so geschieht.» Sunraising baut sehr stark auf diese Basis der Selbstorganisation: «Das Quartier selber ergreift die Initiative und beteiligt sich aktiv. Das ist der Sinn von Sunraising», meint Egli. Ein solches Projekt aufzustellen erwies sich dennoch als kein einfaches Unterfangen, auch weil Sunraising nicht gewinnorientiert ist: «Für uns war es sehr wichtig, dass der Strom für die Leute, die die Anlagen direkt mitfinanzieren, nicht teurer wird als sonst», betont Mettler, «das ist eine grosse Herausforderung und wir müssen immer wieder darauf hinweisen: Es ist ein Social Project, ein Nachhaltigkeitsprojekt. Wir wollen auf keinen Fall, dass die Leute finanziell übers Ohr gehauen werden. Aber dafür mussten wir in jeder Verhandlung kämpfen.»

Vom Breitsch bis nach Bümpliz

In der Lorraine wurde nun bereits das erste Dach mit Solarzellen ausgerüstet, bis auf ein paar letzte Quadratmeter bereits finanziert sind drei weitere in der Länggasse. Die Einweihung des Dachs findet am 22. Dezember 2016 statt. Weitere Standorte sind momentan noch in der Finanzierungsphase, so etwa Dächer in Bümpliz, im Mattenhof und im Breitenrain. «Das Ziel ist es, nächstes Jahr 10 weitere Dächer auf unserer Website aufzuschalten», erklärt Melanie Mettler die ambitionierten Ziele. Von den Dächern der stadtbernischen Liegenschaften kommen theoretisch etwa 70'000 Quadratmeter für Solaranlagen in Frage. Sunraising will bis in drei Jahren auf mehreren tausend Quadratmetern Solarzellen installieren. Um diese grossen Pläne zu realisieren sind Mettler und Egli auf Mithilfe angewiesen: «Für uns ist es natürlich am tollsten, wenn die Leute von sich aus auf uns zukommen und sagen, dass sie sich für ein solches Projekt interessieren», sagt Mettler, «wir legen viel Wert darauf, an Quartieranlässen vertreten zu sein, wie etwa am Märit in Bümpliz oder am autofreien Sonntag im Mattenhofquartier.»

Dieses Engagement scheint sich zu lohnen, wie Melanie Mettler meint: «Es gibt Leute, die bereits selbst einen Stand für Sunrising an einem Quartierfest betrieben haben, um die Idee zu verbreiten.» Direkt mitmachen können alle in der Stadt Bern wohnhaften Personen auf www.sunraising.ch.