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In unseren vier Wänden - SIBA IX

Soziale Innovation

Neuer Mitbewohner gesucht? Die Organisation wegeleben will die WG-Kultur für in die Schweiz geflüchtete «NewcomerInnen» öffnen.

Illustration des kunterbunten WG-Lebens. (Foto: wegeleben.ch)

Dass das Leben in einer Wohngemeinschaft allen Menschen offen stehen kann, scheint nicht selbstverständlich. «Newcomerinnen und Newcomer werden in Bezug auf ein Leben in einer WG gar nicht wirklich wahrgenommen, sie sind von dieser Wohnkultur mehr oder weniger abgeschnitten», erzählt Gian Andri Färber, der gemeinsam mit Méline Ulrich wegeleben gegründet hat.

Negative Konnotationen vermeiden

Als NewcomerInnen bezeichnen sie geflüchtete und nun in der Schweiz lebende Personen. «Als wir das Konzept für wegeleben aufsetzten, war klar, dass wir das Wort Flüchtlinge aufgrund der gegebenen negativen Konnotationen nicht verwenden möchten», erklärt Gian, «zudem stört uns, dass dadurch der Mensch nur auf diesen Umstand reduziert wird.» Von reduzieren kann bei wegeleben definitiv keine Rede sein, die Initiative will vielmehr Blockaden lösen und den Horizont erweitern, wenn es darum geht, mit wem wir zusammenleben. Mit der Vermittlung von freien WG-Zimmern an interessierte NewcomerInnen sollen Möglichkeiten der Begegnung entstehen, die bisher kaum präsent waren. Denn ein Bedürfnis sei durchaus vorhanden. Bei wegeleben steht ein grosser Berg an Anfragen von NewcomerInnen einem verhältnismässig kleinen Angebot an freien WG-Zimmern gegenüber.

Zwischen Umbruch und Gegenwart

Bei wegeleben Bern sind momentan neun Freiwillige engagiert, in den Kantonen Zürich, Basel, Aargau, Freiburg und Solothurn finden sich ebenfalls Ableger der Organisation. Im Kanton Bern konnten bisher über vierzig Plätze vermittelt werden, die Gruppe um Gian und Méline will sich damit aber keineswegs zufrieden geben. Als die beiden das Projekt starteten, war kaum klar, wohin dieser Weg führen wird. Schnell erschienen erste Medienartikel, wegeleben gewann grössere Aufmerksamkeit, noch bevor die Zukunftspläne feststanden. «Die Schwierigkeit besteht darin, das Ganze einerseits weiter zu planen und andererseits, all die gegenwärtig anstehenden Aufgaben zu erledigen. So ist man stets etwas in einer Zwischenphase zwischen Umbruch und Gegenwart.»

Möglichkeiten zur Umsetzung

Wer Gian zuhört, wenn er über das Engagement der Freiwilligen von wegeleben spricht, vergisst schnell einmal, dass dieser ehrenamtliche Einsatz keine Selbstverständlichkeit ist. Eine solche Idee bekannter zu machen und weitere Wohngemeinschaften zur Teilnahme zu bewegen ist eine Herausforderung, bei der auch einmal an die Kapazitätsgrenzen gestossen wird. Gian wünscht sich, dass die Initiative auch an anderen Orten Fuss fassen kann: «Wir sind auf der Suche nach Menschen, die wegeleben auch in anderen Kantonen aufziehen möchten. Ich glaube, dass viele Menschen ähnlich über die Welt und die Gesellschaft denken, wie wir bei wegeleben es auch tun. Viele wissen womöglich nicht voneinander und fühlen sich deshalb isoliert. Ich denke, es ist daher wichtig, dass sich diese Menschen in der einen oder anderen Weise vernetzen.»