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«Der Gesellschaft etwas zurückgeben» - SIBA II

Soziale Innovation

Die Erfahrungen der älteren Generation einer jüngeren Generation zur Verfügung stellen, das will der Verein «innovage». Wir haben den Vorsitzenden des Netzwerks Bern-Solothurn, Ulrich Roth, getroffen.

Ulrich Roth ist Vorsitzender des Netzwerks Bern-Solothurn bei innovage. (Foto: Sam von Dach)

«Innovage ist ein Netzwerk von Pensionierten, die ihre gesammelte Erfahrung aus früheren Führungspositionen an gemeinnützige Projekte weitergeben wollen», erklärt Ulrich Roth. Er selbst ist diplomierter Naturwissenschaftler und Raumplaner und mit seinen 69 Jahren auch ein Teil dieses Netzwerks. Im Generationenhaus in Bern, dem ehemaligen Burgerspital, liegt der Hauptsitz der Organisation. Wenn er dort im grosszügigen Büro davon spricht, was innovage genau tut, hört man die Überzeugung in seiner Stimme: «Wir bieten einerseits einen Rahmen für pensionierte Menschen, die ihr Wissen auch nach dem Ausstieg aus der Berufswelt gerne sinnvoll weitergeben möchten. Zudem bieten wir neuen Projekten eine Beratung, die sie sich ansonsten kaum leisten könnten.»

Vom Kommen und Gehen

Innovage ist mittlerweile in vielen Regionen der Schweiz aktiv, doch das Netzwerk Bern-Solothurn ist eins der aktivsten. «In Bern sind wir aktuell 30 Personen, die im Moment etwa 20 Projekte parallel betreuen.» Durch das hohe Alter der Freiwilligen bedingt, ist die Organisation im stetigen Wandel begriffen. Abgänge gehören dazu, nicht alle wollen, verständlicherweise, ihren ganzen Ruhestand lang Freiwilligenarbeit leisten. Wachstum ist daher auch nicht das erklärte Ziel von innovage, zumindest nicht was das Netzwerk Bern-Solothurn betrifft. «Wir haben im Moment eine gute Grösse und eine gute Auslastung erreicht. In anderen Regionen der Schweiz sieht es aber anders aus, dort dürften gerne noch ein paar Leute dazustossen», meint Roth. Genauso wichtig ist es, gute Projekte zu gewinnen, wenn diese attraktiv sind, melden sich auch mehr Freiwillige. Es ist daher ein Bedürfnis von innovage, für beide Seiten sichtbar zu sein.

Projekte mit Herz

Mit einer ihm eigenen Selbstverständlichkeit erklärt Ulrich Roth, weshalb sich frühere Fachkräfte, auch aus Wirtschaftskreisen, in ihrem Ruhestand nun unentgeltlich für andere einsetzen: «Wir wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Wir haben alle von der Gesellschaft profitiert, indem wir die Gelegenheit hatten, eine gute Ausbildung abzuschliessen. Und natürlich liegen uns auch all diese Projekte am Herzen, die junge Leute auf die Beine stellen.» Beispielsweise unterstützt innovage Bern-Solothurn aktuell den Verein Singbach & Co, ein interkulturelles Chorprojekt für Kinder. Durch das gemeinsame Singen sollen Brücken gebaut und die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben geschaffen werden. Auch bereits abgeschlossene Projekte finden sich zahlreiche, von OUTLOOK, einem Präventionsprogramm gegen Verschuldung unter Jugendlichen, bis zum Familientreff Bern im Kirchenfeld.

An die Initiativen, die um Unterstützung ersuchen, werden klare Anforderungen gestellt. So sollen sie gemeinnützig und nachhaltig sein, sowie ein gesellschaftliches Bedürfnis abdecken. Die Dauer der Hilfestellung durch innovage ist auf maximal ein Jahr beschränkt, die Projekte sollen ja nicht übernommen, sondern nur für einen Teil des Weges begleitet werden. Doch gibt es auch Initiativen, die innovage selbst lanciert hat und die mittlerweile auf eigenen Beinen stehen. So etwa das Projekt «Collegium 60 plus». In dem Verein wird selbstorganisiertes Lernen für Seniorinnen und Senioren angeboten. Anders als bei üblichen Angeboten, sind die Gruppen autonom und bestimmen selbst, was wie gelernt wird.

«Uns liegen all diese Projekte am Herzen». (Foto: Sam von Dach)

«Uns liegen all diese Projekte am Herzen». (Foto: Sam von Dach)

Kein Mangel an Nachschub

Im Berner Generationenhaus scheint innovage also das geeignete Umfeld gefunden zu haben: «Wir wären nicht hier, wenn wir nicht mit anderen zusammenarbeiten möchten. Wir engagieren uns etwa auch im Vorstand des Mieterverbands des Generationenhaus.» Den grossen Vorteil am Standort Bern sieht Roth in der Bedeutung als Bundesstadt: «Wir haben viel Verwaltung hier, da finden sich immer wieder Pensionierte, die ihr Wissen noch weitergeben wollen.» Auch an Projekten, die aus verschiedensten Gründen Unterstützung suchen, mangelt es nicht. Die helfenden Hände und Köpfe von innovage sind also weiterhin gefragt.