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KOLUMNE /

Christian Pauli

03.06.2016 | 10:54

Das Jahrhundertbauwerk erinnert unseren Kolumnisten an musikalische Blueprints der Schweiz in den fernen 80er Jahren.

Kulturell gesehen aber natürlich grosse Sache: die Eröffnung des Gotthardbasistunnels lockt alle hinter dem Ofen hervor. Merkel, Hollande, Renzi. Dazu unser ganzer Bundesrat, das Parlament... ach was, Sie haben das ja alle auch gelesen, gehört, gesehen, womöglich getwittert und gefacebookt. Interessant wäre höchstens zu wissen, wie das die Menschen in der Romandie so wahrnehmen, wenn sie abseits dieser europäischen Achse am Fernseher hocken, um die neun Millionen teure «Gotthard-Party» mit Welttheater-Regisseur Volker Hesse und Fussvolk vorbei rauschen lassen.

Dabei ist heuer ein wichtiges, fast rundes, popkulturelles Jubiläum zu feiern. Vor 35 Jahren hat Hertz, die beste Schweizer New Wave-Band aus Zürich, im Powerplay-Studio in Horgen das Debutalbum aufgenommen, und dabei auch das phänomenale Lied «Gottharddurchstich» eingespielt. Für mich einer der besten deutschsprachigen Popsongs, den ich mir auch heute noch gelegentlich anhöre. Die knappen, surrealen und dennoch ganz präzisen, wie sich jetzt zeigt ewig gültigen Lyrics haben es in sich:

Gottharddurchstich
für Heinz und Jupp.
Mitten durch’s Massiv, tief tief
im Granit, durch den
Gotthartdurchstich.

Wir sitzen stumm, die Nase am Fenster,
draussen ist es feucht und finster.
Mutter, ich glaub ich sah Gespenster.
Vater trinkt Wein,
wir rasen durch’s Gestein
Ohohohoho

Texter, Komponist und Sänger Dominique Grandjean, der übrigens unser verinnerlichtes melancholisches Fernweh in der heimlichen Landeshymne «Campari Soda» auf den Punkt gebracht hat, ist Psychiater geworden und findet Popmusik heute «eintönig» – mir scheint: die richtige Berufswahl. Wie wunderbar psychisch ist es doch, dieses Land, das unentwegt und immer schneller durchs Massiv rast?