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Mein 2015: Willi Egloff

Vor wenigen Wochen ist ein Buch über Peter Burkharts Mühle Hunziken erschienen. Die Autoren blicken zurück auf über 30 Jahre Kulturproduktion und nehmen Abschied von der «letzten Insel vor der Autobahn». Auch für mich bedeutete 2015 den Abschied von Pesces Werk.

Am Weihnachtstag 2014 ist der Gründer und Betreiber der Mühle Hunziken, Pesce Burkhart, gestorben. Drei Wochen zuvor hatte der jahrelange Streit um die Zukunft der Mühle mit dem Verkauf der Liegenschaft an zwei Pensionskassen geendet. Pesce hatte verstanden, dass er dadurch zwar die finanzielle Existenz für sich selbst und für seine Frau gerettet hatte, dass aber seine Kulturmühle für immer verloren war.

Verkauf ohne Zahlung

Im Sommer 2011 war die Welt für Pesce noch in Ordnung: Philipp Fankhauser hatte sich bereit erklärt, die Mühle zu kaufen und den Betrieb weiterzuführen. Pesce hatte sich in Südfrankreich ein altes Bauerngehöft gekauft, wo er künftig mit seiner Frau leben wollte. Dafür hätten sie das Geld benötigt, das sie aus dem Verkauf der Liegenschaft hätten erhalten sollen.

Aber Philipp Fankhauser zahlte nicht. Wie sein Bruder später vor Gericht erklärte, besass er das für den Kauf erforderliche Geld gar nicht und er hatte es auch nie besessen. Und es fand sich keine Bank, die ihm das nötige Geld geliehen hätte.

Dass sich in der Folge zwei Pensionskassen bereit erklärten, die Mühle in ihrer damaligen Form zu kaufen, schien einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu eröffnen. Zwar konnte die von Pesce geprägte Kulturinstitution Mühle Hunziken dadurch nicht mehr gerettet werden, aber wenigstens liess sich die neue Existenz in Frankreich finanziell absichern. Mit dem Kopf hat Pesce Burkhart diese Regelung akzeptiert, aber sein Herz versagte die Mitwirkung.

Ein Konzertlokal unter vielen

Mit dem Jahr 2015 ist die Geschichte der Mühle Hunziken nun zu Ende gegangen: Pesce Burkhart liegt auf dem Friedhof von Vic-Fezensac in Südfrankreich, seine Frau hat dort ein neues Leben angefangen. Und auch Pesces Nachkommen haben mit der Mühle nichts mehr zu tun. Das Erbe ist einvernehmlich geteilt und das künstlerische Wahrzeichen beim Eingang, der «Frosch» von Bernhard Luginbühl, ist wieder in sein angestammtes Biotop in Mötschwil zurückgekehrt. Die Mühle Hunziken ist heute einfach noch ein Konzertlokal unter vielen.

Was die wirkliche Mühle Hunziken einmal war, bleibt in die Erinnerung ihrer Besucherinnen und Besucher gespeichert. Das Buch von Samuel Mumenthaler und Dänu Siegrist hilft beim Erinnern und wird uns noch lange Zeit bewusst machen, welch wichtige kulturelle Einrichtung hier einmal existierte. Die letzte Insel vor der Autobahn aber ist 2015 dem Klimawechsel zum Opfer gefallen.