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Kommentar /

Sabine Schärrer

Replik auf Egelsee-Text

Der «Bund» hat vermeldet, dass die Betreiber des Café Sattler am Egelsee im Rahmen einer Zwischennutzung ein zweites Lokal betreiben möchten. Die im Text falsch zitierte Sabine Schärrer ist mit dem Bericht nicht zufrieden.

Zugegeben, es ist alles in allem ein Nebenschauplatz am Egelsee, aber trotzdem – ich muss meinem Ärger Luft machen: In der heutigen Ausgabe des «Bund» steht – einmal mehr in der schludrig recherchierten und offenbar mit wenig beruflichem Anspruch produzierten Lokalabteilung – ein kleines Lehrstück journalistischer Verdreharbeit.

Ausgangslage: Ein Telefonanruf aus der Lokalredaktion des «Bund». Der Journalist sagt, er habe in der Quartierzeitung «Quavier» eine Aussage gefunden, laut der das Café Sattler als Betreiber einer Zwischennutzung im Entsorgungshof in Frage komme. Was die Quartierkommission dazu meine?

Meine Antwort in zwei Minuten, ich musste danach gleich weg an zwei aufeinander folgende Sitzungen, keine Chance zum Gegenlesen:

«Wir haben von dieser Idee via Stadtplanungsamt gehört. Wir haben noch keine Präferenzen für eine bestimmte Nutzerschaft formuliert, das muss in einer breit angelegten Diskussion unter allen möglichen Interessenten und der Quartierbevölkerung evaluiert werden. Leider hat diese Sitzung, zu der das Stadtplanungsamt dem Vernehmen nach demnächst einladen wird, noch nicht stattgefunden. Wir sehen keinen besonderen Termindruck für eine Zwischennutzung, was uns aber wichtig ist: Dass diese Diskussionsrunde aller Stakeholder von der Stadt möglichst rasch einberufen wird.»

Daraus wurde das folgende zitiert (online inzwischen korrigiert, Anmerkung der Redaktion): «Kürzlich fand dazu (zum Thema Zwischennutzung) eine Sitzung mit verschiedenen Interessenvertretern statt. (...) Und auch die ebenfalls anwesende Quartierkommissionsgeschäftsführerin Sabine Schärrer bestätigt: uns wurde eine Zwischennutzung durch das Café Sattler in Aussicht gestellt.»

Ich bin echt stolz darauf, Aussagen machen zu können zu Sitzungen, die nicht stattgefunden haben und an denen ich demzufolge auch nicht anwesend sein konnte. Ich hatte bisher von meinen hellseherischen Fähigkeiten keine Kenntnis. Ich werde sie aber demnächst als Journalistin – das kann ich ja ohne weiteres auf meine Visitenkarte drucken lassen – sicher aktiv vermarkten.

Dem «Bund»-Journalisten wünsche ich, dass er sich ein kleines Quentchen journalistischer Sorgfalt zulege, wie sie zum Beispiel in unserer ach so biederen, dafür aber superseriösen Quartierzeitung «Quavier» zu finden ist. Dort hätte er übrigens nur abzukupfern brauchen und sein Artikel wäre tiptop informativ und erst noch korrekt herausgekommen!


P.S. an die Lokalredaktion des «Bund»: Abkupfern im «Quavier» ist immer erlaubt, sogar erwünscht, aber bitte korrekt und mit Quellenangabe. Merci.