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«Ausbau light» in der Quartierarbeit geplant

Aus den Quartieren

Die VBG, die sich um Quartierprojekte und -zentren in Bern kümmert, hat sich aus der finanziellen Krise erholt. Jetzt stehe in Abstimmung mit der Stadt sogar ein leichter Ausbau an, sagt VBG-Präsident Bruno Müller.

Bruno Müller. (Foto: zvg)

Bruno Müller, das Jahr 2014 wäre um ein Haar als das Jahr in die Geschichte der VBG (Vereinigung für Beratung, Integrationshilfe und Gemeinwesenarbeit) eingegangen, in dem sie aufgrund kantonaler und gemeinderätlicher Sparbeschlüsse als Dachverband zu existieren aufhörte.

Bruno Müller:

Erstens einmal blieb es dank dem Stadtrat bei einer knapp zu verkraftenden Kürzung von einer halben Million. Zweitens haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und die teils schmerzhaften Einsparungen umgesetzt. Heute kann ich feststellen, dass die VBG per Ende 2014 quasi schuldenfrei dasteht, mit den letzten beiden Jahresabschlüssen 2013 und 2014 die notwendigen Reserven gebildet hat und nun tatsächlich für das laufende Jahr 2015 einen Ausbau der Quartierarbeit geplant hat.

Wie sieht dieser Ausbau aus?

Neue Mitarbeitende werden in den Stadtteilen 2, 5 und 6 kleinere Quartierbüros eröffnen. Aber nicht die bestehenden grossen Zentren werden aufgestockt – da hat der Stadtrat ein deutliches Zeichen gesetzt –, sondern die Quartierarbeit vor Ort soll verstärkt und präsenter werden. Diese Entscheidung deckt sich auch mit den strategischen Leitlinien der zuständigen Sozialdirektion BSS.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit der BSS? Da gab es ja auch schon Probleme.

Wer die Geschichte unseres Dachverbandes kennt, weiss: Die Zusammenarbeit mit unserer Geldgeberin und Leistungsvertrag-Partnerin ist nicht immer einfach. Die Schnittstelle zwi-schen einer politisch gesteuerten Verwaltung und einem halb-professionellen Verband mit vereinsdemokratischen Strukturen hat es in sich... Ich freue mich aber, heute feststellen zu dürfen, dass die Zusammenarbeit mit den BSS-Verantwortlichen der konstruktiv und erfolg-reich geworden ist. Erfolgreich, weil es mit gemeinsamer Arbeit gelungen ist, die finanziellen Klippen zu umschiffen und der fachlichen Arbeit eine von beiden Seiten getragene neue Richtung zu geben. Da möchte ich unserem langjährigen Gesprächspartner Marco Stricker, der wie kaum jemand die Höhen und Tiefen dieser Zusammenarbeit erlebt hat, meinen per-sönlichen Dank ausdrücken.

Und wie sieht jetzt die gemeinsame Zukunft aus?

Die BSS und die VBG sind im Spätsommer 2014 übereingekommen, den Versuch eines mehr-jährigen Leistungsvertrages zu wagen. Der neue Vertrag sollte den Wandel von der traditio-nellen Zentrumsarbeit zu einer modernen, eher sozialräumlich ausgerichteten Quartierarbeit Rechnung tragen.

Was heisst das konkret?

Die beiden Vertragspartner haben sich daran gemacht, als Vorbereitung für zukünftige Leis-tungsvertragsverhandlungen ein gemeinsames Grundlagenpapier zu erarbeiten, das Grund-begriffe, Ausrichtung und Gestaltung der zukünftigen Arbeit umreisst. Das Papier befindet sich in der Phase der internen Bereinigung. Die Schwerpunkte bilden folgende Themenkom-plexe: Gesellschaftliche und konzeptuelle Entwicklung der Gemeinwesenarbeit in der Schweiz und in Bern, relevante Kooperationspartner der VBG und die üblichen Kernprozesse wie Planung, Berichterstattung, Qualitätssicherung, Vernetzung und Kooperation Der Bericht wird im Lauf des Jahres 2015 auch VBG-intern vorgestellt und diskutiert.

Offenbar wurde die veränderte Ausrichtung der Quartierarbeit auch von anderen Instituti-onen wahrgenommen...

Erfreulicherweise treten immer häufiger Organisationen an die VBG und laden sie zu Mitarbeit in verschiedensten Projekten ein – mit Entschädigung für die professionellen Dienste. Es handelt sich dabei um Projekte wie BIWO (Begleitung der Mieterschaft bei umfassenden Sanierungsprojekten im Stadtteil 3), Rehag (Begleitung eines Renaturierungsprojekts) oder Semo-Plus (Beschäftigungsprogramm von Jugendlichen ohne Schulabschluss mit Standort im Tscharni). Und das nebst bereits laufenden Projekten wie die Vorschulförderung Primano oder die Zwischennutzung Zentralweg. Diese Projekte sind nicht nur Anerkennung der Leis-tungsfähigkeit und Professionalität unserer Sozialarbeitenden, sie helfen auch die Neuorientierung der Gemeinwesenarbeit in den verschiedenen Sozialräumen zu festigen und bekannt zu machen.