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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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Meine Buchhandlung

Zum Jahresende

Auf die Grösse kommt es nicht an. Sonst wäre sie mir zu mickrig. Bei zehntausenden Neuerscheinungen im Jahr und dem nie abnehmenden Sockel an Klassikern böte sie – rein nach ihrer Grösse – bloss ein homöopathisches Potpourri von allem und jedem. Aber für mich ist sie ein Stück Leben.

In zwei kleinen Räumen, die ein Licht einflössendes Schaufenster weitet, hält «meine» Buchhandlung am Zytglogge fast passgenau jenen Ausschnitt aus dem stets aktuellen Sortiment parat, der mich anspricht. In Belletristik, an Sachbüchern, bei Krimis.

Was stets aktuell in den Gestellen, auf Tischen, in Ecken und bei der Kasse steht und liegt, grenzt an ein Wunder. Es muss zwischen den Kundinnen und Kunden sowie den Buchhändlerinnen – ausschliesslich Frauen – eine übereinstimmende Wellenlänge geben. Ich bin ja nur einer von vielen, der sich persönlich ernst genommen fühlt. Meist finde ich, was ich suche. Oft entdecke ich, was mir nicht in den Sinn gekommen wäre. Selten bestellt eine der freundlichen und kompetenten Frauen ein Buch, das morgen oder übermorgen schon eintrifft.

Hier ist auch dem Schweizer Buchzentrum in Hägendorf ein grosser Kranz zu winden. Es ist in der Deutschschweiz das zentrale Bücherlager mit 300'000 sofort verfügbaren Titeln. Doch dem Zentrum geht es schlecht: Online-Bestellungen bei Amazon, E-Books, veränderte Lesegewohnheiten graben ihm das Wasser ab. (Achtung: Sein einzigartiger Service wird leiden, wenn wir ihn weniger nutzen – und unser Interesse an der Nutzung wird schwächer werden, wenn die Qualität der Leistung abnimmt. Ein Teufelskreis, der uns noch mehr in die Arme des Ausbeuters Amazon treibt, ja uns an Amazon kettet. Exkurs vorerst abgeschlossen.)

Was ist es, das diese kleine Buchhandlung gross macht? Ein siebenter Sinn für die Auswahl? Ein Gespür für mehr als das – auch nötige – Geschäft? Eine Berufung (weiblich), die aus dem männlichen «Beruf» ein Surplus hervorzaubert? Ich weiss es nicht.

Doch eines ist klar: Als Einkaufsmuffel trete ich gern ein und fühle mich beim Herumstöbern wohl. Und immer gehe ich beschenkt mit Büchern, mit Gesprächsfetzen, mit Hinweisen heraus. Das ist es wohl: Ein Umschlagplatz von und für das, was Bücher uns Leserinnen und Lesern sind – Lebensmittel. Oder auch: Ein Stück Leben.