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Die Lehre als gleichwertig zeigen

Die Swiss Skills sind Geschichte, die Sieger der Berufswettbewerbe sind erkoren und freuen sich auf die Teilnahme an den World Skills 2015 in Brasilien. Vor allem aber gab die Schau einen Einblick in die Möglichkeiten der Berufslehre.

Swiss Skills, die Informations- und Leistungsschau der Berufsbildung in den Hallen der Bernexpo hat in vier Tagen zehntausende von Besucherinnen und Besuchern angezogen und begeistert.

Doch was sind eigentlich Skills? Das englische Wort bedeutet Geschicklichkeit, Fähigkeiten, Fertigkeit, Kompetenzen, Können. Skills sind das Rüstzeug, das eine oder einer in einer Ausbildung oder in der Praxis erwirbt. Zwei Beispiele: Da war die junge Geigenbauerin, die am Sonntag in der Ausstellung eine Violine fertigstellte und ein erstes Mal spielte. Ein einmaliger Moment, in dem die Freude über handwerkliches Können und musikalische Bewegtheit eins werden.

Und da waren die Köchinnen und Köche, die im Hall von Sven Epineys Moderation das vorgegebene Menu anrichteten und auf die Bewertung der fachmännischen Testesser warteten. Beides zeigt das Besondere der Berufslehre: Ein unmittelbar nützliches Produkt wird unter Beobachtung hergestellt. Kein stilles Kämmerlein, kein theoretisches Konzept, eine 1:1-Anwendung in Echtzeit.

Einblicke in eine unbekannte Welt

Toll, solches miterleben zu können, gerade wenn man selber nicht im dualen Bildungswesen gross geworden ist. Dual nennt man es übrigens wegen der Verbindung von praktischer Lehre im Betrieb und berufskundlichem sowie allgemeinbildendem Unterricht an der Berufsfachschule.

Der Dank für die Einblicke geht an die Berufsverbände, die in dieser Ausbildung inhaltlich, organisatorisch und auch finanziell viel leisten, weit über die Sicherung des eigenen Nachwuchses hinaus. Er gilt aber auch dem Bund, der die Ausbildung reglementiert, und dem Kanton, der sie zusammen mit den Verbänden umsetzt. Wie dies zusammenhängt, welche Bildungswege es gibt, das machte die Ausstellung an vielen Beispielen klar.

Und sie zeigte, dass den Berufsleuten nach abgeschlossener Lehre mit oder ohne zusätzliche Berufsmaturität zahllose Weiterbildungsmöglichkeiten offen stehen, von denen manche qualitativ einem Bachelor- oder Masterstudium nicht nachstehen. In diesem «Tertiär B» oder «Höhere Berufsbildung» genannten Bereich bilden sich etwa gleich viele Personen wie an Universitäten und Fachhochschulen (Tertär A). Mit dem Unterschied, dass alle wissen, was ein Bachelor oder ein Master ist, aber nur wenigen – viel zu wenigen – die Abschlüsse der Höheren Berufsbildung ein Begriff sind.

Berufsbildung – und «die andere Bildung»

Genau dies war das Ziel der Swiss Skills: die Berufsbildung und die Höhere Berufsbildung als noch immer zu wenig bekannte Bildungsmöglichkeiten zu präsentieren. Deren Vielfalt und Attraktivität zu zeigen, ist vollkommen gelungen. Ob es auch gelang, das duale System als dem anderen Bildungszweig gleichwertig erscheinen zu lassen, bleibt offen. Unter dem «anderen Bildungszweig» verstehe ich die Abfolge Gymnasium, Maturität, Universität oder Fachhochschule.

Es braucht wohl noch viel, um im allgemeinen Bewusstsein der Leute zu verankern, dass nicht der eine Zweig besser und erfolgversprechender ist als der andere, sondern schlicht und einfach unterschiedlich. Es wird mehr Folgen von Swiss Skills benötigen, um den Eindruck zu beseitigen, Gymnasium und Universität/Fachhochschule sei der Königsweg. Es wird noch viel Engagement erfordern, bis wir erkennen: Es gibt nur das eine und das andere in kooperativer Koexistenz. Beide Zweige bilden einen Baum.

Es stimmt etwas nicht

Solange die Berufsbildung meint, sich präsentieren zu müssen, um (besser) wahrgenommen zu werden, stimmt etwas nicht. Es wäre zu begrüssen, wenn die Gymnasien, die Universitäten, die Fachhochschulen als System das Gleiche täten. Dann wüssten wir, wie dieser Zweig des Bildungswesens funktioniert und was er leistet. Und dann wäre ein sachlicher Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede möglich. Im Interesse des Ganzen. Und als Information für die Einzelnen.