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Journal B

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Stadtfüchse auf dem Kinderspielplatz

Auf dem Spielplatz Längmuur in Bern wohnt seit einiger Zeit eine Fuchsfamilie. Ein Praktikant hat die jungen Füchse gefilmt und Journal B beantwortet die wichtigsten Fragen zum Umgang mit den wilden Tieren in der Stadt.

  • Warnung beim Eingang zum Längmuur-Spielplatz. (Foto: zvg)

Der Längmuur-Spielplaz ist seit vierzig Jahren ein Paradies für Kinder – und neuerdings auch für Füchse. Eine Familie mit sieben Jungen lebe auf dem Spielplatz, berichtet Claudia Moser vom Team des betreuten Spielplatzes. Die Tiere haben unter der Baracke Unterschlupf gefunden. «Die kleinen Füchse sind neugierig und verspielt. Sie kommen raus und schauen sich das Treiben der Kinder an», sagt sie.

Regeln für das Zusammenleben

Damit das Zusammenleben gut funktioniere, müsse man sich an einige Regeln halten. So dürfe man die Füchse trotz grosser Versuchung nicht füttern oder mit ihnen Spielen. «Es sind Wildtiere und das sollen sie bleiben», sagt Claudia Moser sehr bestimmt. Da dies offenbar nicht für alle Besucher und Besucherinnen des Spielplatzes klar ist, gibt es nun ein «Bitte nicht füttern»-Schild am Eingang.

So steht es auch in der Broschüre «Füchse in unseren Wohngebieten», die das Jagdinspektorat des Kantons Bern herausgegeben hat. Denn der Fuchs sei ausgesprochen anpassungsfähig und zahme Tiere führten immer wieder zu Problemen. Sie verlieren dann ihre natürliche Scheu vor Menschen.

Ordnung rund ums Haus

Füchse haben eine sehr feine Nase. In unseren Abfallsäcken, Gärten und Komposthaufen finden sie allerlei Leckereien. Sie lieben es, Löcher zu graben und Jungfüchse spielen am liebsten mit Leder und Plastik. So kann es sein, dass liegen gebliebenes Spielzeug oder gar der Turnschuh vor der Türe am andern Morgen weg ist.

Im Zusammenleben mit den Stadtfüchsen hilft nur eines: Ordnung. Dinge, die einem lieb sind, soll man über Nacht nicht im Garten lassen. Auch junge Katzen gehören über Nacht ins Haus – die ausgewachsenen Katzen können sich hingegen selbst wehren. Und für Meerschweinchen, die Auslauf im Freien erhalten, soll man ein sicheres Gehege bauen, das mindestens dreissig Zentimeter tief im Boden vergraben wird.

Scheu und ungefährlich

Obwohl sie Wildtiere sind, sind Füchse nicht gefährlich. Sie sind scheu und weichen den Menschen aus. Noch wenn man einem Fuchs unabsichtlich den Fluchtweg abschneide, greife er nicht an, wird in der Broschüre des Jagdinspektorats erklärt. Aggressiv seien nur tollwütige Füchse. Aber die Tollwut gibt es in der Schweiz nicht mehr.

Am gefährlichsten ist der Fuchsbandwurm. Deshalb soll man Beeren, Gemüse oder Früchte immer gut waschen oder kochen. Das gilt für das Gemüse vom Markt übrigens ebenso wie für die Beeren aus dem Wald oder Garten.

Allerdings: In der Schweiz würden sich lediglich etwa acht bis zehn Personen pro Jahr mit dem Fuchsbandwurm anstecken, relativiert das Jagdinspektorat die Gefahr. Im Vergleich zu den sieben Millionen Einwohnern in der Schweiz ist das Risiko also gering. Der Parasit wird über den Kot von Füchsen, Hunden und Katzen übertragen. Hunde und Katzen solle man deshalb regelmässig entwurmen. Kot im Garten entfernt man mit einem Plastiksack und wirft ihn in den Hauskehricht – nicht etwa auf den Kompost – und Sandkasten schützt man vor Katzendreck, indem man sie abdeckt.

«Schau, da sind kleine Wölfe»

Auf dem Längmuur-Spielplatz sind die kleinen Füchse eine Attraktion. «Schau, da sind kleine Wölfe», habe ein Kind gerufen, als es die noch grauen Fuchswelpen sah, erzählt Claudia Moser. Das rote Fell kommt erst nach ein paar Wochen.

Einige Eltern seien vor allem wegen dem Fuchsbandwurm etwas besorgt gewesen. Das Spielplatz-Team konnte sie mit der Broschüre des Jagdinspektorats beruhigen. Nun freuen sich die meisten Besucher über die ungewohnten Nachbarn.