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Umzugsplan für Kröte und Kraut

Aus den Quartieren

Gleich hinter Bümpliz gibt es wilde Natur. Die ausgebeutete Tongrube im Rehhag ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Schrittweise werden die Tiere und Pflanzen umsiedeln müssen, um Aushubmaterial Platz zu machen.

  • Die Rehhaggrube ist einer der wertvollsten Naturorte der Stadt Bern. (Foto: Nathalie Herren)
  • Erdkröten auf dem Weg zum Laichgewässer. (Foto: Wikipedia)

Jedes Jahr sind etliche naturliebende BümplizerInnen entlang des Mooswegs zum Wohle der paarungswilligen Kröten im Einsatz. Die Amphibien kommen übers Moos und wollen in die Rehhaggrube. Damit sie auf ihrer Hochzeitsreise nicht überfahren werden, stellen Stadtgrün und Freiwillige einen Krötenzaun auf. Dort bleiben die Tiere hängen, werden eingesammelt und über die Strasse getragen.

Ein Naturschutz-Areal für alle

Die Rehhaggrube ist ein «Herzblutort». Fast jeder und jede hat dort als Kind Abenteuer erlebt und ab und zu einen vollen Stiefel herausgezogen. Dass das Areal privat ist und der Aufenthalt deshalb eigentlich nicht erlaubt wäre, macht die Sache zusätzlich spannend.

Geht es nach dem Willen der Behörden, soll dieser Ort mittelfristig legal für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Nach der Auffüllung der Grube soll hier ein zehn Hektaren grosses Naturschutzareal entstehen.

Lastwagen nicht durchs Quartier

Die Auffüllung und Rekultivierung von ausgebeuteten Gruben ist nach gesetzlichen Vorgaben Pflicht. Der Bedarf nach Orten, wo Erde und Bauschutt deponiert werden kann, ist gross. Die Behörden sprechen gar von einem Deponienotstand. Kanton und Region haben in ihren Richtplänen die Rehhaggrube, als Deponiestandort bestimmt.

Die Stadtbehörden sind gefordert, diese Vorgaben umzusetzen. Die dafür nötige Planung ist bei der Bevölkerung auf grosses Interesse gestossen. An der Sitzung der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem QBB und der Infoveranstaltung liessen sich rund 60 Personen die Pläne und Konzepte zeigen.

In der Fragerunde gab es unter anderem kritische Stimmen zum Verkehr. Wie kann verhindert werden, dass die zwölf Lastwagen, die täglich die Grube ansteuern werden, nicht durchs Wohnquartier fahren? Die Argumentation der Verkehrsplanung, dass die Fahrzeit durchs Quartier länger sei als diejenige über die Autobahn, reichten nicht aus, um die Bedenken auszuräumen.

Einbezug von Freiwilligen

Seit vielen Jahren engagieren sich im Rehhag Freiwillige zugunsten der Natur. Die Planung trägt diesem Engagement Rechnung. So ist vorgesehen beim Naturschutz die Mitarbeit von Freiwilligen zu ermöglichen. Für die Koordination dieser Arbeiten sollen Mittel bereitgestellt werden. Zudem ist in den Planungsvorschriften die Schaffung einer Grubenkommission unter Beteiligung von Naturschutz- und Quartierorganisationen vorgesehen.

Die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem stellt fest, dass es den Behörden gelungen ist, die verschiedenen Interessen des Gewerbes, des Naturschutzes und der Quartierbevölkerung in einen Ausgleich zu bringen. Die QBB stimmt der Auffüllung der Grube mit Aushuberde und mineralischem Bauschutt zu. Bedingungen sind ein striktes Controlling.

Vorbehalte bleiben beim Verkehrskonzept. Um den Lastwagenverkehr durchs Quartier zu verhindern, müssen die Deponiebetreiber und die Zulieferfirmen mit geeigneten Massnahmen in die Pflicht genommen werden. Ausdrücklich begrüsst werden die Massnahmen zu Gunsten der Naherholung, der Einbezug von Freiwilligen sowie die Einsetzung einer Grubenkommission.