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Kinder lesen im Schaufenster

Im «Chinderbuechlade» lesen Kinder während den Frühlingsferien als lebendige Schaufensterpuppen ein Buch.

  • Lesen im Schaufenster scheint etwas Gemütliches zu haben. (Foto: Naomi Jones)
  • Buchhändlerin Doris Christen: «Die meisten Kinder finden sich selbst zurecht. Nur manchmal beraten wir ein wenig.» (Foto: Naomi Jones)
  • So sehen die Passanten die lesenden Kinder im Schaufenster. (Foto: Naomi Jones)

Anja (14) und Madita (7) sind emsig am Klappentexte lesen. Sie dürfen im Kinderbuchladen an der Gerechtigkeitsgasse 26 ein Buch auswählen und sich damit eine halbe Stunde lang ins Schaufenster setzen. Das angefangene Buch können sie am Schluss behalten.

Der Kinderbuchladen bietet die Aktion an viereinhalb Tagen im April an. «Das wollen wir nun immer machen in den Frühlingsferien», sagt die Buchhändlerin und Ladenmitinhaberin Doris Christen. Fast fünfzig Kinder haben sich angemeldet. Sie kommen im Halbstundentakt. «Nach den Erfahrungen im letzten Jahr wollten wir eigentlich nur jede Stunde ein Kind begrüssen. Aber die Nachfrage war so gross, dass wir den Rhythmus wieder erhöhten«, sagt Christen und schmunzelt.

Unterdessen haben sich Anja und Madita je für ein Buch entschieden. Anja nimmt «Magic Park. Das Geheimnis der Greifen». Madita hat das Erstlesebuch «Blitz, der Fussball-Hund» gewählt.

Es kommen vor allem Leseratten

Warum habt ihr diese Bücher ausgesucht? Anja sagt: «Ich lese gerne Bücher, die von Tieren handeln, oder Fantasy.» Und Madita: «Wegen dem Hund.»

Die meisten Kinder, die kämen, seien bereits Leseratten, so Doris Christen. Etwa ein Drittel der angemeldeten Kinder sind Buben.

Anja und Madita zwängen sich gemeinsam in den Sessel. Sie lesen konzentriert und schnell. Manchmal schielen sie den Passanten nach.

Ständig unter Beobachtung

Wie war es? Madita kurz und bündig: «Gut.» Anja dagegen ist etwas skeptischer: «Ich hatte ständig das Gefühl, das mich jemand anschaut.»

Und das Buch? Anja ist begeistert: «Sehr gut. Es geht um einen Jungen in der siebten Klasse. Er zieht nach Chicago und hat noch keine Freunde. Es gibt aber ein Mädchen in seiner Klasse, das seltsam riecht und eigenartige Federn in seiner Tasche hat.»

Chloé: «Es ist ein komisches Gefühl. Ich bin es nicht gewöhnt.» (Foto: Naomi Jones)

Chloé: «Es ist ein komisches Gefühl. Ich bin es nicht gewöhnt.» (Foto: Naomi Jones)

Nun ist die achtjährige Chloé da. Sie, ebenfalls eine Vielleserin, ist zwar vorbereitet und sucht mit ihrer Grossmutter gemäss Buchtipp aus dem Radio Peter Härtlings neues Kinderbuch «Hallo Opa – Liebe Mirjam». Aber dann wird sie unschlüssig und lässt sich von der Buchhändlerin bei der Auswahl helfen. Chloé entscheidet sich schliesslich für «Die Liebe ist ein Nashorn» von Ulrike Leistenschneider. «Die meisten Kinder finden sich selbst zurecht. Nur manchmal beraten wir ein wenig», sagt Doris Christen.

Das Mädchen fühlt sich so ausgestellt nicht sehr wohl. Immerhin schützt ein Baldachin die lesenden Kinder vor allzu neugierigen Blicken. Chloés Hände sind angespannt: «Es ist ein komisches Gefühl. Ich bin es nicht gewöhnt.» Das Buch findet sie aber gut: «Es geht um Lea.»

Die Ladentür geht auf und ein Vater kommt mit drei quirligen Töchtern herein.