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Nächste Sparrunde bei «Bund» und BZ

«Bund» und «Berner Zeitung» sollen 2014 wieder sparen: die «BZ» 400'000 Franken, der «Bund» «mehrere hunderttausend Franken». Das ist der Berner Beitrag für die 15 Prozent Eigenkapitalrendite der Eigentümerin Tamedia AG.

Welche Konsequenzen die Sparmassnahmen bei «Bund» und BZ haben, ist noch offen. (Foto: Manuel Gnos)

Fast täglich findet man im «Bund» und in der «Berner Zeitung» (BZ) einige gut gemachte, engagierte Artikel, die tatsächlich noch in Bern geschrieben worden sind. In solchen Momenten könnte man fast vergessen, dass es in dieser Stadt keine Zeitungen mehr gibt und die beiden Berner Zeitungstitel im Zürcher Tamedia-Konzern 2 von 35 sind.

Die Tamedia AG hat verständlicherweise andere Sorgen als die Printmedien-Öffentlichkeit von Stadt und Kanton Bern. Denn die Konzern-Halbjahreszahlen 2013 zeigten im August einen klaren Trend: «Die steigenden Digitalerträge konnten den strukturellen Rückgang der Geschäftsfelder Print Regional und Print National mehr als kompensieren.» In dieser Lage hat ein Unternehmer zwei Möglichkeiten: Entweder er beginnt, Print mit Digital querzusubventionieren oder er dünnt das Print-Angebot parallel zum «strukturellen Rückgang» des Geschäftsfelds immer weiter aus. Tamedia tut letzteres.

Die Sparmassnahmen für das Jahr 2014

Für den Zeitungsplatz Bern bedeutet das laut der Leiterin Marketing & Kommunikation von Espace Media AG, Sandra Locher, folgendes:

• Im November hat der neue Chefredaktor der BZ, Peter Jost, seine Redaktion darüber informiert, dass das in Zürich bewilligte Budget 2014 «aufgrund der rückläufiger Werbeumsätze rund 400'000 Franken tiefer sein wird als im laufenden Jahr». Für die Umsetzung ist folgendes vorgesehen: «Neben vielen kleineren Massnahmen ohne Auswirkungen auf das Stellenbudget wird diese Budgetanpassung voraussichtlich zu einer Reduktion von 100 bis 200 Stellenprozent führen. Dieser Abbau wird über natürliche Fluktuationen umgesetzt. Kündigungen sind aus heutiger Sicht nicht geplant.»

«Kündigungen können aber nicht ausgeschlossen werden.»

Sandra Locher, Espace Media AG

• Auch «Bund»-Chefredaktor Artur K. Vogel habe, so Locher, im November über das Budget 2014 informiert: Wegen «rückläufiger Werbeumsätze» liege das «Bund»-Budget «um mehrere hunderttausend Franken» tiefer als in diesem Jahr. Um konkrete Aussagen zur Umsetzung dieser Vorgabe zu machen, sei es noch zu früh. Allerdings: «Kündigungen können aber nicht ausgeschlossen werden.» Zwei Abgänge sind bereits bekannt: Lokalredaktor Timo Kollbrunner hat selber gekündigt und werde, wie zu hören ist, «vorderhand» nicht ersetzt. Auf Ende Februar 2014 geht zudem derbund.ch-Leiter Benedikt Sartorius.

Das meinen die Chefredaktoren

Zusammengefasst: BZ und «Bund» werden im nächsten Jahr empfindlich weniger Geld zur Verfügung haben, um Zeitungen zu machen, denen man den Abbau nicht ansehen sollte. Aus der BZ-Redaktion stammt das Gerücht, die 400'000 Franken beträfen bloss die zweite Jahreshälfte 2014. 2015 müsse deshalb voraussichtlich mit 800'000 Franken weniger budgetiert werden. Hierzu nimmt Locher schriftlich wie folgt Stellung: «Das genaue Budget 2015 wird in Abhängigkeit des Werbe- und Lesemarktes erst im Herbst 2014 festgelegt.» Selbstverständlich. Und vielleicht gelingt es ja, den Abwärtstrend auf beiden Märkten in den kommenden Monaten zu stoppen.

Die Informationen, die hier mitgeteilt werden, pfeifen die Spatzen in Bern seit Tagen von den Dächern. Journal B wollte sie sich selbstverständlich von den Chefredaktoren bestätigen lassen: Vogel liess sich aber die journalistische Anfrage via eine Sekretärin übermitteln, die danach ausrichtete, für solche Fragen sei Frau Locher zuständig. Und Jost liess sich am Telefon zwar mit genau den Informationen konfrontieren, die danach schriftlich bestätigt wurden, sagte dazu aber lediglich: «Ich bestätige Ihnen gar nichts. Rufen Sie Frau Locher an.»

Was bedeutet es für die Berner Öffentlichkeit, wenn die Chefredaktoren nichts mehr sagen dürfen?

Fredi Lerch

Klar: So funktioniert heutzutage professionelle Konzernkommunikation. Aber was bedeutet es für die Berner Öffentlichkeit, wenn die Chefredaktoren nichts mehr sagen dürfen, wenn es um die Produktionsbedingungen der Zeitung geht, für die sie nächstes Jahr inhaltlich Tag für Tag den Kopf hinhalten sollen? Im Juni 2008 hat Vogel gegenüber dem Medienmagazin «Klartext» auf die Frage nach der Schmerzgrenze bei Sparübungen doch immerhin noch sagen dürfen: «Es würde eine solche Schmerzgrenze sicher auch bei mir geben. Ich habe die einfach noch nicht definiert.» Eilt ja nicht.

Derweil hat die Personalkommission der BZ dem Tamedia-Verwaltungsratspräsidenten Pietro Supino ein Protestschreiben gegen das neue Sparpaket übermittelt und höflich angefragt, ob aus unternehmerischer Sicht eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent in einer offensichtlich längerfristig defizitären Branche tatsächlich eine nachhaltige Strategie sei. Es könnte aber durchaus sein, dass die Antwort aus Zürich ein paar Tage auf sich warten lässt, weil Supino sich zuerst um die Querelen in der Redaktion des «Tages-Anzeigers» kümmern muss.