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Bühne frei an der Lorrainestrasse

Aus den Quartieren

Die Verkehrssituation an der Lorrainestrasse ist ein Dauerbrenner. Nun hat die Stadt ein Konzept präsentiert mit dem Ziel, eine attraktive Quartierstrasse mit Aufenthaltsqualität und sicheren Wegen für den Langsamverkehr zu schaffen.

  • Die Lorrainestrasse muss als Lebensader des Quartiers unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. (Foto Romano Manazza)
  • Gut dokumentiert stellte Luc Schiffmann (nichta uf dem Bild) den 60 QuartierbewohnerInnen das neue Betriebs- und Gestaltungskonzept Lorrainestrasse vor. (Foto Romano Manazza)

Bereits vor zehn Jahren arbeitete das Planungsbüro Berz Hafner + Partner AG im Auftrag der Stadt ein umfangreiches Betriebs- und Gestaltungskonzept aus, das zu erstaunlich ähnlichen Ergebnissen wie die aktuell vorliegende Planung kam. Der Verein «Läbigi Lorraine» (VLL) begrüsste in einer ausführlichen Stellungnahme die Lösungsansätze des Planungsbüros. Wohl aus Kostengründen verschwand das Projekt aber schnell in der Versenkung. Schlussendlich wurden auf den Strassenbelag gemalte Fussgängerinseln mit Schutzpollern und eine versetzte Parkplatz-Anordnung, um die Fahrbahn zu verengen, realisiert. Diese Massnahmen haben gewirkt, trugen aber wenig zur Aufenthalts- und Lebensqualität der Strasse bei.

Lebensader des Quartiers

Die Lorrainestrasse, mit viel Kleingewerbe, insbesondere Lebensmittelläden, ist die Lebensader des Quartiers. Deshalb ist es auch eine grosse planerische Herausforderung, die verschiedenen Bedürfnisse der Quartierbewohnerinnen und Verkehrsteilnehmer aufzunehmen und in eine Form zu bringen. Luc Schiffmann von der Verkehrsplanung erläuterte an einer Informationsveranstaltung Ende August, organisiert durch den VLL, das ambitionierte Strassenprojekt.

Die Nutzungs-Plattformen besitzen ein kreatives Potenzial.

Romano Manazza

Mit anfallenden Sanierungsarbeiten der Werkleitungen und des Strassenbelags hat der Gemeinderat Anfang 2013 einen Kredit von 100'000 Franken gesprochen, um bei dieser Gelegenheit die Lorrainestrasse auch gestalterisch aufzuwerten. Die Begegnungszone zwischen Schulweg und Quartiergasse bildet dabei das Herzstück der Planung. Sogenannte Nutzungsplattformen, vier auf sechs Meter grosse Betonelemente, die an mehreren Stellen auf die Strasse platziert werden, dienen nicht nur der Verkehrsberuhigung, sondern besitzen auch ein kreatives Potenzial.

Diese «Bühnen» sollen der Quartierbevölkerung zur freien Nutzung, beispielsweise für Aussenbestuhlung, Märitstände oder Flohmärkte zur Verfügung stehen und die Strasse beleben. In Tempo-20-Zonen fallen Fussgängerstreifen gänzlich weg, zu Fuss gehende haben Vortritt und die Rechtsvortritte aus den Nebenstrassen werden aufgehoben.

Fragen zur Schulmeile

Im nördlichen Teil der Lorrainestrasse sind zahlreiche Schulen, Tagesstätten und Krippen untergebracht; die Kinder queren die Strasse mehrmals täglich. Dass die Tempo-20-Zone kurz vor der Schulmeile aufhört, dort wieder Tempo 30 herrscht und zudem die vorhandenen Fussgängerstreifen aufgehoben werden sollen, ist schwer verständlich und führte an der Informationsveranstaltung zu kritischen Fragen.

Auf die neu gestaltete Lorrainestrasse können sich alle freuen.

Romano Manazza

Nutzungsplattformen, die in die Strasse hinausragen, werden auch in diesem Strassenabschnitt installiert. Darauf sind die Kinder für die mobilen Verkehrsteilnehmer gut zu erkennen und der Weg auf die gegenüberliegende Strassenseite verkürzt sich. Tempo-20-Zonen seien nur auf einer beschränkten Strecke, worin sich viele Leute aufhalten, wirksam, erklärte Luc Schiffmann an der Veranstaltung. Für die Eltern, deren Kinder täglich in der Lorraine zur Schule gehen, braucht es wohl noch Überzeugungsarbeit – die Verkehrsplanung wird die Situation mit der Schule und dem Elternrat vor Ort nochmals eingehend anschauen und besprechen.

Immer verkehrt

Durch die vorliegende Planung wird die Lorrainestrasse in ihrer Funktion als Quartierzentrum gestärkt und dies wird von einer Mehrheit der Anwohnenden begrüsst. Das Argument «ohne Zugang mit dem Auto stirbt das Kleingewerbe im Quartier» gehört endgültig in die Mottenkiste. Das an der Lorrainestrasse ansässige Kleingewerbe begrüsst die Umgestaltung und profitiert von davon, ist ihr Angebot doch klar auf die lokale Kundschaft ausgerichtet, die zu Fuss oder mit Velo einkaufen geht.

Dass die Lorrainestrasse unbefahrbar werde und die Umgestaltung zu Staus führe, wie einige Gewerbetreibende befürchten, ist unbegründet. Die Fahrbahnbreite bleibt dieselbe nur, dass sie zehn Stundenkilometer weniger schnell befahren werden darf. Auf die neu gestaltete Lorrainestrasse können sich eigentlich alle freuen – auch Gewerbetreibende.