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Es orgelt und regnet in Rüeggisberg

Versuche zur Landkultur

Zwanzig Kilometer südlich von Bern liegt Rüeggisberg. Was machen die Leute dort an einem verregneten Sonntag? Nun, sie geniessen die Hochkultur, wie Christian Pauli im ersten Teil seiner «Versuche zur Landkultur» zeigt.

Es ist ordentlich was los an diesem Sonntag in Rüeggisberg: Im Bauerndorf hinten am Längenberg regnet es, das übliche Alpenpanorama ist verdeckt. Trotzdem viel Betrieb vor dem eben renovierten Bären – eine stattliche Landkneipe, so wie sie sein muss. Vis-à-vis ein ebenso stattliches Bauernhaus. Da wohnt und arbeitet Timmermahn, der Harley fahrende Künstler, der im ganzen Lande bekannt ist und hier schon fast den Status eines Dorfkönigs inne hat.

Richtig ist das, Timmermahn spricht die Sprache, die man hier versteht: kräftig, einfach und eigensinnig. Am Wochenende hat der Rüeggisberger Künstler zur Bilderschau geladen. Die Leute strömen zum Haus. Der Parkplatz ist der Viehplatz, wie ein Schild ausweist.

Gegenüber, auf der anderen Strassenseite, die Kirche und der Friedhof. Heute ist für das Dorf ein grosser Tag, vor allem für die Kirchgemeinde. In der Kirche wird die neue Orgel eingespielt. Die Kirchgemeinde hat dafür 540'000 Franken locker gemacht hat. Der Berner Münsterorganist Daniel Glaus ist extra angereist, um die «Königin der Instrumente» zu beehren. Das Publikum ist gebannt und lauscht den gewaltigen Klängen, die aus den Pfeifen strömen.

Der Clou: Die Orgel steht auf der Seitenrampe und nicht auf der Rückseite des Schiffs. Diese Positionierung hat viel zu reden gegeben im Dorf. Nun preist Organist Glaus die akustischen Vorteile.

Es regnet. Auf dem Weg zurück denke ich, dass Orgelklänge wie Wolkengebilde sind. Passt eigentlich ganz gut aufs Land.