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Interesse am Klimaschutz kühlt sich merklich ab

Forscher der Universität Bern erklären, dass es nicht ausreichen wird, lediglich die Temperaturzunahme abzubremsen. Als einsame Rufer in der Wüste wiederholen die Klimaforscher stetig ihre Warnungen – mit wenig Erfolg.

Es regnet heftig in Bern. Starkniederschläge können eine Folge der Klimaerwärmung sein. (Foto: Beat Kohler)

Vielen war es schon wieder zu viel. Obwohl dieses Jahr die ersten sechs Monate eher kühl bis kalt waren, wurde jetzt gegen Ende Juli einigen bereits wieder viel zu heiss. Nicht zu unrecht. Seit dem Rekordsommer 2003 war es nie mehr so heiss. Ein kalter Frühling macht noch keine abgebremste Klimaerwärmung. Die aktuellen Starkniederschläge mit Hagel wurden von Klimaforschern immer wieder als mögliche Begleiterscheinung eines wärmeren Klimas bezeichnet. Und auch die Gletscher schmelzen munter weiter, wie das SAC-Heft «Die Alpen» mit den neuesten Messdaten belegt. Der vergangene schneereiche Winter dürfte daran kaum etwas ändern. Auch diese Schneemassen sind bereits wieder geschmolzen.

Obwohl die Zeichen des Klimawandels immer deutlich sichtbarer werden, der Wille zu Handeln scheint nicht in notwendiger Weise vorhanden zu sein. Mit der Publikation ihrer neuesten Studie im Magazin «Nature» haben Anfangs Monat die Forscher der Universität Bern, Marco Steinacher, Fortunat Joos und Thomas Stocker, neue Ziele für den Klimaschutz vorgeschlagen. Das brachte ihnen die Häme der klimaskeptischen Weltwoche ein. Diese sprach von Alarmismus. Andere, wie die NZZ, nahmen das Thema ebenfalls auf. Die ganz grossen Schlagzeilen schreibt das Thema Klimaerwärmung aber nicht mehr. Die Menschen haben sich schnell an die Meldungen gewöhnt, fast so schnell wie an milde Frühlingstage und heisse Sommer. Wenn die internationalen Klimaziele nicht eingehalten werden, löst dies kaum einen Aufschrei aus.

«Der CO2-Ausstoss doppelt so stark reduziert werden»

Marco Steinacher, Klimaforscher

Der allgemein passiven Haltung zum Trotz erklären die Berner Forscher, «dass die Fokussierung auf die Temperaturzunahme allein keineswegs ausreicht, um das grosse, übergeordnete Ziel – den Schutz des Klimasystems vor gefährlicher Beeinflussung durch den Menschen – zu erreichen.» Der hohe CO2-Ausstoss führt laut der Studie dazu, dass die Ozeane Versauern. Um dies zu verhindern müsste der «CO2-Ausstoss doppelt so stark reduziert werden wie wenn wir einzig das Zwei Grad-Ziel erreichen wollen», so Steinacher.

In Zukunft, so die Studie, werde sich auch das Erreichen von Klimazielen simulieren lassen, die stärker auf die Folgen des Klimawandels ausgerichtet sind. Zum Beispiel Extremereignisse wie Hochwasser und Hitzewellen. Wie praktisch solche Voraussagen wären, sieht man in der aktuellen Situation. Bei den notwendigen Simulationen soll das an der Universität Bern entwickelten Erdsystemmodells «Bern3D-LPJ» helfen. Laut der Uni Bern lassen sich damit in kurzer Zeit sehr viele Simulationen durchführen. Das erlaube es, abzuschätzen, mit welchen Wahrscheinlichkeiten die Klimaziele erfüllt werden können.

Wesentlich wichtiger als genaue Voraussagen wird aber das Verhalten jedes einzelnen sein. In dieser Hinsicht zeichnet sich bisher keine Verhaltensänderung ab – und das nicht nur in Schwellenländern, sondern insbesondere auch hier in der Schweiz. Wir pendeln immer weiter zu unserer Arbeitsstelle und nutzen das Auto nach wie vor am meisten, um unseren Freizeittätigkeiten nachzugehen.