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Wer zahlt, befiehlt – ausser an der Uni?

Die Uni Bern erhält einen Lehrstuhl «Staat und Markt». Mitfinanziert wird dieser von BKW, GVB, SBB und Securitas. Ein Schelm, wer dabei an Einflussnahme auf die Ergebnisse denkt.

Verschwindet die Universität Bern langsam hinter den Interessen der Privatwirtschaft? (Foto: Beat Kohler)

Das Zusammenspiel von Staat und Markt wirft auf jeden Fall spannende Fragen auf. Insbesondere bei marktorientierten Firmen, die sich ganz oder Teilweise im Besitz des Staates befinden. Die Bernischen Kraftwerke BKW sind dafür ein gutes Beispiel. Der Staat erteilt Konzessionen, beispielsweise für den Kraftwerksausbau an der Grimsel, oder beurteilt Betriebsbewilligungen, wie im Fall von Mühleberg. Von diesen Entscheiden hängt das Unternehmen ab. Als Aktionär hat der Staat ein handfestes Interesse.

Dieses Wechselspiel zu untersuchen bietet auf jeden Fall spannende Forschungsfelder. Dass die Universität Bern deshalb eine Professur für «Staat und Markt» errichtet, ist naheliegend. Forschungsgebiet ist die Schnittstelle zwischen Staat und Markt.

Dass die BKW AG, die Gebäudeversicherung Bern (GVB) und die SBB AG diesen Lehrstuhl mitfinanzieren, liegt auf der Hand. Sie haben schliesslich ein grosses Interesse an diesem Wechselspiel. Geforscht wird also genau dort, wo die Unternehmen selber tätig sind. Da immer mehr Staatsaufträge an private Sicherheitsfirmen erteilt werden, ist auch das Interesse der Securitas AG nachvollziehbar.

All diese Unternehmen wollen zwar ihre Themen einbringen, aber keinen Einfluss auf die Forschungsarbeit nehmen, wie sie versichern. Dies obwohl die vier Unternehmen insgesamt in den nächsten vier Jahren eine Million Franken in diese Professur investieren. «Die Professur ist unabhängig, die Forschungs-, Lehr- und Publikationsfreiheit sind gewährleistet», schreibt die Uni Bern. Die vier Partner und Rektor Martin Täuber hätten entsprechende Verträge unterzeichnet.

Ähnliche Partnerschaften gibt es bereits. 2008 beschloss die Mobiliar Versicherung, während zehn Jahren die Klimafolgenforschung an der Uni Bern mitzufinanzieren. Auch damals brach die Diskussion um die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre auf. An einem Anlass der StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) erklärte damals der Berner Staatsrechtler Markus Müller: «Diese schleichende Bewegung raubt der Universität ihren Wert, dieses rare Gut der Unabhängigkeit.» Schon nur der Anschein, dass ein Forscher möglicherweise durch Geld aus der Privatwirtschaft beeinflusst werden könnte, sei schädlich. An dieser Feststellung hat sich bis heute nichts geändert.

Der Bericht von Radio Rabe zur neuen Professur an der Universität Bern:

Dass gewinnorientierte Unternehmen zunehmend nicht mehr nur Forschungsarbeiten, sondern ganze Lehrstühle finanzieren, ist heftig umstritten. Auch Wilma Rall, Redaktorin bei Radio Rabe, vermutet in solchen Partnerschaften heikle Unterfangen. Ein Kommentar: