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Journal B

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Lautmalerische Musik macht Mut

In Bümpliz konzentrierte sich das Projekt Tönstör ganz auf die Sprache. Die Kindern lernten, diese spielerisch einzusetzen und gemeinsam ein babylonisches Sprachengewirr zu veranstalten.

Leises Gebrabel. Lachen und Gekicher. Ein Aufheulen. Von Ferne gleichen sich die Klänge, die aus der Turnhalle dringen, ganz normalem Pausenlärm und doch ist da etwas anders. Die Geräusche sind geordnet und strukturiert, sie hören abrupt auf und ändern sich. So tönt es, wenn eine 5./6. Klasse im Berner Kleefeld Tonaufnahmen macht.

Foto: Beat Kohler

Vor der ganzen Klasse seine Stimme einzusetzen braucht Mut.

Doch dafür brauchte es Übung. Die eigene Stimme zu erheben und sich dadurch auch vor den Klassenkameraden zu exponieren, das braucht Mut. «Wenn ihr euch im Alltag daran erinnert, werdet ihr auch selbstbewusster über den Pausenhof gehen», ermuntert Barbara Balba Weber, Künstlerische Leiterin Tönstör, die Mädchen und Jungen. Nicht alle lassen sich mitreissen, zu gross sind die Hemmungen.

Foto: Beat Kohler

In kleinen Gruppen nehmen die Kinder einzelne Sprachfragmente auf, die Schlussendlich zu einem Stuck montiert werden.

Der grösste Teil der Gruppe ist aber hochkonzentriert bei der Sache, wenn es darum geht, die verschiedenen Geräusche aufzunehmen. Nach einer Testaufnahme gibt Tontechniker und Musiker Tobias Reber jeweils das Startzeichen und die Kinder beginnen zu lachen, zu gackern oder zu heulen.

Foto: Beat Kohler

Bei der Aufnahme sind die Kinder konzentriert bei der Sache.

«Die Aufnahmen werden im Anschluss zu einem Stück zusammen montiert», erklärt er. Dafür braucht er Aufnahmen von Einzelnen, Gruppen und der ganzen Klasse. Zusammen mit den Aufnahmen, die in anderen Klassen entstehen, wird das babylonische Sprachengewirr der Klasse aus Bümpliz am Sonntag, 8. September 2013, in der Dampfzentrale Bern zu hören sein.

«Totally Flipside» – 8 Projekte auf 1 Haufen

Tönstör hat sich zum Ziel gesetzt, Berner Kindern und Jugendlichen zeitgenössische klassische Musik auf eine lustvolle Art zu vermitteln (siehe auch «So schön scheppert Schrott»). Unter dem Titel «Totally Flipside» entsteht im 2013 ein Gesamtwerk an neuer Musik, an dem sieben Berner Schulklassen beteiligt sind. Von Januar bis Juni 2013 gehen jeden Monat Musikvermittler und Komponistinnen, Musikvermittlerinnen und Komponisten in eine Klasse und erarbeiten improvisatorisch eine eigene Musik. Die vertrauten Klangwelten hinterfragend und untergrabend, begeben sie sich so auf die Suche nach dem musikalisch «anderen», eben der «B-Seite» der Schallplatte, der «Flipside». Journal B begleitet die Suche und beleuchtet monatlich einen anderen Aspekt von Musikvermittlung.

Das Gesamtwerk, eine Mischung aus Konzept, Komposition und Improvisation, kommt im Rahmen des Musikfestivals Bern, das dem Thema «Wahnwitz» gewidmet ist, zur Aufführung.