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Es werde Licht – aber bitte mit geringerem Verbrauch

In immer mehr Berner Quartieren kommen LED-Leuchten für die Strassenbeleuchtung zum Einsatz. Nach dem Kirchenfeld will Energie Wasser Bern bis Ende Jahr auch das Mattenhof-Quartier umgerüstet haben.

  • An der Gemeindegrenze Bern und Muri zeigt sich der Unterschied zwischen Natriumdampflampen und LED deutlich. (Foto: Severin Nowacki)

2011 war dem Quartier Schönberg Ost in Bern eine Pionierrolle zugedacht. Rund 80 Leuchten mit LED-Technik wurden für die Strassenbeleuchtung installiert. Einem flächendeckenden Einsatz stand Energie Wasser Bern damals noch skeptisch gegenüber – zu teuer, zu wenig ausgereift, so die Bedenken.

Doch bereits ein Jahr später waren offensichtlich viele dieser Bedenken ausgeräumt. «Die Entwicklung der Leuchtdioden (LED) hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Deshalb ist heute der Wechsel der Leuchtmittel von Metalldampf auf LED technologisch wie auch wirtschaftlich sinnvoll», erklärt Energie Wasser Bern.

«Die Entwicklung der Leuchtdioden (LED) hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht»

Energie Wasser Bern

Die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün gab im April 2012 bekannt, dass bis Ende 2013 die Strassenbeleuchtung in den Stadtquartieren Breitenrain, Kirchenfeld und Mattenhof auf LED umgerüstet wird. Dies soll eine Einsparung von 108'800 Kilowattstunden ermöglichen. Das entspricht in etwa dem Verbrauch von 24 Vierpersonen-Haushalten.

Wie Energie Wasser Bern auf Anfrage erklärt, konnten mitlerweile fast alle Quartiere auf LED umgerüstet werden. Die Umstellung der Quartierstrassen im Breitenrain ist abgeschlossen. «Aktuell wird das Kirchenfeldquartier umgestellt und bis Ende Jahr sollten auch die Arbeiten im Mattenhof abgeschlossen sein», so EWB.

Für die Anwohner ist dies sofort ersichtlich. Denn LED-Lampen strahlen hell und mit wenig Streulicht. Sie werden heller wahrgenommen, als die bisher eingesetzten Natriumdampf-Hochdrucklampen. Wird so der geringere Verbrauch durch eine höhere Leistung gleich wieder verpufft? «Nein, dies ist nicht der Fall», beruhigt EWB. Auch wenn das Licht heller erscheint wird dennoch Strom gespart. Ersetzt man eine alte 125 Watt Quecksilber-Lampe mit einer 51 Watt LED, dann wird dadurch der Stromverbrauch sogar bis zu 60 Prozent gesenkt, rechnet Energie Wasser Bern vor.

Grundsätzlich lässt sich der Energieverbrauch für Strassenbeleuchtungen mit LED zusätzlich senken, wenn die Lampen nicht mit voller Leistung brennen. Dies ohne, dass sich an der Wahrnehmung der Helligkeit etwas verändert. Der Unterschied zwischen alter und neuer Beleuchtung ist augenfällig. Die Farbwiedergabe ist bei LED-Leuchten höher als bei Konventionellen.

Die Strasse wird homogener ausgeleuchtet. Dadurch verbessert sich das Sicherheitsgefühl, wie EWB aufgrund von Kundenrückmeldungen weiss. Keine Rückmeldungen gibt es hingegen, ob sich dadurch das Sicherheitsgefühl bei konventionell beleuchteten Strassen verschlechtert. Der Druck, überall die neue Technologie einzusetzen, wird zunehmen.

Kommentar

Neue Lampen um den Stromverbrauch von 24 Vierpersonen-Haushalten einzusparen, bringt es das? Mit dieser Fragestellung wird die Energiewende auf jeden Fall scheitern. Jeder muss dort wo er ist das tun, was im möglich ist, um eine Wende herbeizuführen. Dabei den Vergleich mit Energieschleudern in den USA oder China heranzuziehen ist lediglich entmutigend und nicht zielführend. Wenn nicht wir in Bern, in der Schweiz mit gutem Beispiel voran gehen, wir, die wir uns einen Energieumbau auch leisten können, wer sollte es dann tun. Mit dem Kleinreden von technischen Fortschritten hat sie Schweiz, welche zu Beginn der 90er Jahre in der Photovoltaik führend war, diesen Spitzenplatz eingebüsst. Das darf nicht mehr passieren. Wenn wir führend werden beim Stromsparen und an entsprechenden Technologien arbeiten und diese auch einsetzen, ist dies nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll.