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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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Was verbindet Bern mit dem ungarischen Eger?

Trotz aller politischen Misstöne – noch bis September läuft das Projekt «Swiss-Hungarian Civil Cultural Days», bei welchem die Partnerschaft zwischen den Städten Bern und Eger im Zentrum steht.

Projekte wie Journal B hätten in Ungarn einen sehr schweren Stand. Und das nicht in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen. Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán der rechtskonservativen Fidesz-Partei hat mit neuen Gesetzen 2011 eine rigide Kontrolle der Medienlandschaft eingeführt. Eine neue Medienbehörde kontrolliert die privaten Fernseh- und Radiosender sowie Zeitungen und Internetportale. Bei Verstössen kann die Regulierungsbehörde ruinöse Strafen verhängen. Zwar protestierte die EU nach langem Zögern schliesslich scharf gegen das neue Gesetz und das ungarische Parlament schwächte einzelne Artikel ab – dennoch hat die Pressefreiheit in Ungarn einen schweren Schlag erlitten. Und nicht nur sie. Verschiedene internationale Akteure zeigen sich in den letzten Jahren sehr besorgt im Bezug auf Orbáns Reformen. Die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und damit der Demokratie verlieren in Ungarn offensichtlich an Wert. Exemplarisch dafür: Die ungarische Regierung löste im Januar 2011 diplomatische Irritationen aus, als sie zum Antritt der EU-Ratspräsidentschaft einen Teppich in einem EU-Gebäude verlegte, der das Königreich Ungarn in seinen Grenzen von 1848 zeigt.

Auch die Beziehung zur Schweiz ist nicht frei von Spannungen. Die Einführung der Ventilklausel hat bei den Ungarn nicht für gute Stimmung gesorgt. Bei seinem Besuch diskutierte der ungarische Aussenminister János Martonyi diese Frage mit Bundesrat Didier Burkhalter. Um zumindest auf kultureller Ebene für gute Stimmung zu sorgen, unterstützt das EDA im Rahmen des Erweiterungsbeitrags durch die Schweiz ein Austauschprojekt. Im vergangenen Dezember fanden die ersten Anlässe des Partnerschaftsprojektes «Swiss-Hungarian Civil Cultural Days» in Bern und Bolligen statt. Im Zentrum dieses Projekts, das noch bis September dauert, steht der Austausch zwischen den Städten Eger und Bern. Nach zwei Anlässen in Bern – im Dezember in der Heiliggeistkirche und im April in der Nydeggkirche – findet im Sommer in Eger der Abschlussanlass statt.

Trotz aller Unterschiede und Differenzen gibt es die Beziehungen zwischen Bern und Budapest, welche über die Förderprogramme hinausgehen. Diese haben ihre Wurzeln im blutigen Aufstand 1956 der Ungarn gegen die Sowjetunion. Tausende Ungarn, die in der Folge der Niederschlagung des Aufstandes in die Schweiz kamen, wurden im Kanton Bern aufgenommen. Nicht immer verlief diese Aufnahme reibungslos. Es kam zu kulturellen Missverständnissen. Verschiedene Organisationen bemühen sich seither um den Austausch auf politischer und kultureller Ebene. Von Tanzgruppen über ungarische Pfadfinder bis zur ungarischen Schule Bern dokumentieren das Engagement der ungarischen Diaspora alleine im Raum Bern. 1993 wurde der Verein der Ungarn in Bern gegründet, welcher heute 140 Mitglieder zählt.