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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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«Die Gegenseite hat das Stimmvolk angelogen.»

Lea Kusano will an der Tarifobergrenze für Kitas festhalten. In «Mönsche vo Bärn» erklärt die engagierte SP-Politikerin die Hintergründe. Ein Gespräch über Chancengleichheit, Gleichstellung und Doppelbelastung.

  • lea Kusano (Foto: Simon Klopfenstein)

Das Kita-Thema ist sehr technisch und komplex. 

Wir erinnern uns: Im Mai 2011 hatte das Berner Stimmvolk die Wahl zwischen «Kita-Initiative» und «Gegenvorschlag des Stadtrats» samt Einführung von Betreuungsgutscheinen. Bekanntlich obsiegte der Gegenvorschlag. Daraufhin hat der Stadtrat ein Reglement ausgearbeitet, gegen welches ein linkes Bündnis aus SP, GB und Gewerkschaften das konstruktive Referendum ergriffen haben.

Botschaft des Stadtrates. Text von Seite 41. (Foto: Nino Ruef)

Botschaft des Stadtrates. Text von Seite 41. (Foto: Nino Ruef)

 

Hauptkritikpunkt am neuen Reglement ist die Aufhebung der Tarifobergrenze. Fortan sollen Kitas die Tarife selber bestimmen können. Lea Kusano und ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter fühlen sich von der Gegenseite verschaukelt. Schliesslich, so argumentieren sie, hätten sich die Befürworter des Gegenvorschlags vor der Abstimmung im Mai 2011 klar zu diesem Tariflimit bekennt. (s. Fotos) Lea Kusano ist empört: «Kaum ging es an die Umsetzung, standen die Tarife zur Diskussion.» 

 

«Dort wo Staatsgelder fliessen, sollen alle gleich profitieren.» 

Lea Kusano, SP-Stadträtin

 

Von der Matte ins «Mittelstandsghetto»

 

Klar im Ausdruck, selbstbewusst im Auftreten. Wache Augen und ein bestimmter Händedruck. Kusano versprüht Lebensenergie und Tatendrang. Es erstaunt keineswegs, dass die studierte Ethnologin den sozialen Aufstieg geschafft hat und Beruf, Familie und Politik erfolgreich zu vereinen weiss.

 

Botschaft des Stadtrates. Text von Seite 45. (Foto: Nino Ruef)

Botschaft des Stadtrates. Text von Seite 45. (Foto: Nino Ruef)

Lea Kusano weiss, was Armut heisst. Aufgewachsen im Mattequartier lebte sie erst mit ihrer Alleinerziehender Mutter und später in einer Patchwork-Family zusammen. Bereits die neue Dusche, welche ihre Mutter selber eingebaut hat, bedeutete ein Fortschritt. Diese Zeit hat sie stark geprägt. Bereits im Studium hat sie sich intensiv mit Gleichstellungs- und Prekaritätsfragen auseinandergesetzt. Diese Gebiete bilden nun auch ihre politischen Schwerpunkte. 

«Meine Kinder geben mir eine gesunde Bodenständigkeit.»

Lea Kusano, SP-Stadträtin

 

Die 32-jährige arbeitet als Polit-und Kommunikationsberaterin in Bern und wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in einer Siedlung in der Nähe des Rosengartens, einem «Mittelstandsghetto», wie sie es nennt. Man denkt an den amerikanischen Traum, wo wird er Lea Kusano noch hinbringen?