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«Den Preis zu gewinnen, wäre das Sahnehäubchen»

Bern museal

Das Alpine Museum der Schweiz ALPS ist für den Europäischen Museumspreis nominiert. Direktor Beat Hächler erklärt, wie es dazu kam und was mit dem Preis genau ausgezeichnet wird.

  • «Wer nicht die Mona Lisa an der Wand hat, kann nicht mehr während 20 Jahren die gleiche Ausstellung zeigen», erklärt Beat Hächler, Direktor SAM. (Foto: Beat Kohler)
Beat Kohler: Das Alpine Museum ist für den «European Museum of the Year Award», den Europäischen Museumspreis 2013, nominiert. Womit haben Sie sich die Nomination verdient?
Beat Hächler:

Jedes Museum kann sich in der europaweiten Ausschreibung bewerben, wenn es einen Neustart hinter sich hat. Wenn die Kandidatur akzeptiert wird, nehmen die Organisatoren des Preises das jeweilige Museum genauer unter die Lupe. Wir wurden von einer Museumsleiterin aus Zagreb während eines Tages geprüft. Nach diesem angekündigten Besuch erfolgt noch ein unangekündigter, anonymer Besuch. Als Resultat der Beurteilung der beiden Besuche folgt der Entscheid, ob man nominiert wird oder nicht. Wir sind in diesen Kreis aufgenommen worden.

Nominiert sind 41 Häuser. Was für Museen kamen sonst noch zum Handkuss?

Das sind die unterschiedlichsten Häuser aus verschiedenen europäischen Ländern. In erster Linie sind es neue Museen oder solche, die sich in den eigenen vier Wänden neu erfinden – so wie wir. Anhand welcher Kriterien die Jury schliesslich die Preisträger bestimmt, weiss ich nicht im Detail.

Dieser Preis – mit Besuch und anonymer Beurteilung – ist eine Art Gault&Millau für Museen?

Der Preis will ganz klar die Innovation belohnen. Eine Grundbedingung für die Teilnahme ist der Um- oder Neubau oder die Neukonzeption eines Museums. In der Trägerschaft des Preises sitzen Museumsfachleute, welche auf der Suche nach neuen und spannenden Entwicklungen in europäischen Häusern sind.

«Es ist klar, dass eine solche Nomination einen Marketingwert hat.»

Beat Hächler, Direktor ALPS

Es ist klar, dass eine solche Nomination einen Marketingwert hat. Darin liegt wohl auch der Grund für die grosse Zahl an Nominierten. In dieser «Ernte» hat es unterschiedliche Institutionen von Portugal bis Kroatien. Zusammen mit den Spezialpreisen werden schlussendlich auch vier oder fünf Preise verliehen.

Preise gibt es viele. Warum ist es wichtig, insbesondere neue Museen auszuzeichnen?

Durch die Kontakte in der Fachwelt merke ich, dass die Erneuerung ein grosses Thema ist. Das Museum als solches ist eine alte Institution. Auch unser Haus ist über hundert Jahre alt. Die Frage, was ein Museum unternimmt, das während zwanzig Jahren eine Dauerausstellung auf zwei Stockwerken zeigte und kaum veränderte, und welches mit einem entsprechend verstaubten Image und mit sinkenden Zuschauerzahlen kämpfte, stellen sich viele Ausstellungsmacher. Damit stehen wir überhaupt nicht alleine da. Daher interessieren mögliche Methoden, wie man sich neu erfinden kann, besonders.

Was bedeutet Ihnen die Nomination? Was würde Ihnen der Preis bedeuten?

Die Auszeichnung von gelungenen Museumserneuerungen im europäischen Rahmen schafft eine breite Öffentlichkeit. Das kann uns im kulturpolitischen Betrieb und in der Beziehung zum Publikum oder zu unseren Geldgebern helfen. Schon dank der Nomination können wir nach aussen tragen, dass das, was wir hier machen, über Bern hinaus auf Interesse stösst. Das ist wichtig. Denn nicht alle Besucherinnen und  Besucher sind der Meinung, dass sie genau auf unsere Art, Ausstellungen zu machen, gewartet haben. Das braucht Überzeugungsarbeit. Wenn wir den Preis gewinnen würden, wäre dies das Sahnehäubchen auf der Nomination.

So, wie sie den Preis beschreiben, ist neu gleichbedeutend mit gut ...

Museen haben häufig den Auftrag, zu bewahren. Dennoch ist das kulturelle Umfeld heute anders, als es vor zwanzig oder dreissig Jahren war. Die Dauer der Ausstellungen befindet sich im freien Fall, sie wird immer kürzer. Die Tendenz zu Blockbusterausstellungen – wie aktuell im historischen Museum – oder die Wichtigkeit von Sonderausstellungen, das sind Reaktionen auf die schnelllebige Zeit.

«Das Kulturkonsum- verhalten belohnt diejenigen, die Neues bieten.»

Beat Hächler, Direktor ALPS

Das Kulturkonsumverhalten belohnt diejenigen, die Neues bieten. Wer nicht die Mona Lisa an der Wand hat, kann nicht mehr während zwanzig Jahren die gleiche Ausstellung zeigen. Diese Entwicklung hat mit den Museen an sich gar nicht so viel zu tun. Diese müssen sich aber die Frage stellen, wie eine Erneuerung aussehen kann, welche die Attraktivität des Hauses steigert. Deshalb stehen Konzepte, die einem Museum mehr Dynamik garantieren, im Moment im Vordergrund.