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«Massive Eingriffe in die persönliche Freiheit»

Der Jungfreisinnige Tom Berger will die Vertreter seiner Mutterpartei davon überzeugen, dass eine Verschärfung des Hooligan-Konkordates unnötig und nicht zielführend ist.

Tom Berger, Präsident Pro Nachtleben Bern.

Tom Berger ist Präsident von «Pro Nachtleben Bern» und Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen der Stadt Bern. Er kämpft aus seiner liberalen Haltung heraus gegen eine Verschärfung des Hooligan-Konkordats. Er versucht, die Vertreter der FDP zu überzeugen, damit sie im März im Grossen Rat gegen die Verschärfung stimmen, welche vom FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser klar befürwortet wird. Hier die Argumente von Tom Berger:

Eine Welle der Repression rollt auf die Sportschweiz zu. Als Vertreter einer liberalen Partei sehe ich dieser Entwicklung mit Besorgnis entgegen. Es gibt Situationen, in welche Repression legitim und notwendig ist. Nämlich wenn die Eingriffe verhältnismässig sind, die richtigen Personen treffen und die Wirkung der Massnahmen unbestritten ist. Aber rechtfertigen die aktuellen Umstände in und um die Sportstadien die teils massiven Eingriffe in die persönliche Freiheit?

 «Die klare Mehrheit dieser Fans hat bisher in keinster Weise die gewährte Freiheit missbraucht.»

Tom Berger, Jungfreisinnige Bern

Die Fans hätten bewiesen, dass sie mit der ihnen gewährten Freiheit nicht umgehen können und deshalb nun eine Lektion lernen müssen. So der Grundtenor, der ihnen landauf, landab entgegenbrandet. Die klare Mehrheit dieser Fans hat bisher jedoch in keinster Weise die gewährte Freiheit missbraucht. Oder die Verantwortung für das eigene Handeln nicht wahrgenommen. Insofern ist mir nicht bewusst, welche Lektion es zu lernen gibt. Es macht den Anschein, dass unsere Gesellschaft immer mehr dazu neigt, Missstände mit Kollektivstrafen und dem Entzug der Freiheit für die breite Masse zu begegnen, statt die wenigen, welche sich nicht an Regeln halten, effektiv zu sanktionieren.

Hat die Gewalt in und um Sportstadien in den letzten Jahren zugenommen? Besteht in der Tat dringlicher Handlungbedarf? Aktuell schafft es jeder Bierbecherwurf auf Seite 1 der (Gratis-) Zeitungen. Personen, welche seit längerem keine Spiele mehr besucht haben, wird das Bild von bürgerkriegsähnlichen Zuständen vermittelt. Dabei werden bewusst oder unbewusst falsche Zahlen gestreut, so etwa zur Höhe der ungedeckten Kosten von Extrazügen.

Generell zeigen die neusten Zahlen, dass die Polizeieinsatzstunden, Sachbeschädigungen und anderen Ereignisse stagnieren beziehungsweise abnehmen. In der gesamten Vorrunde der Saison 12/13 belief sich der durch Anhänger des BSC YB in Extrazügen angerichtete Schaden null Franken. Aufgrund dieser Tatsachen muss die Frage erlaubt sein, weshalb es Politikern aus allen Lagern nach weiteren Gesetzesverschärfungen gelüstet. Gerade die grossen Berner Sportvereine zeigen, dass es durchaus andere Wege gibt, die Kosten für die öffentliche Hand nachhaltig zu senken.

Der vom BSC YB finanzierte mobile Sicherheitszaun und der Einsatz sogenannter Dialogteams der Polizei, welche deeskalierend auftreten und aktiv das Gespräch mit den Fans suchen, haben sich ausbezahlt. Auch ein zweites Berner Pilotprojekt wird Schule machen. Die Anhänger des BSC YB übernehmen selbstständig die volle Verantwortung für die von der SBB zur Verfügung gestellten Extrazüge, sorgen darin für Ordnung und übernehmen die Grundreinigung. Ein Engagement, welches von der SBB mit dem 'Prix Railfair' gewürdigt wurde.

«Statt auf Erfolgen aufzubauen, drohen nun teilweise massive Gesetzesver- schärfungen»

Tom Berger, Jungfreisinnige Bern

Statt auf solchen Erfolgen aufzubauen und diese weiterzuführen, drohen nun teilweise massive Gesetzesverschärfungen. Von den diversen angedachten Regelungen erlaube ich mir – anhand von drei konkreten Beispielen aufzuzeigen – weshalb dadurch keine Probleme gelöst, sondern eher neue geschaffen werden.

Durch das sogenannte 'Kombiticket' dürfen Auswärtsfans künftig nur noch dann den Gästesektor betreten, wenn sie mit dem von den Behörden vorgeschriebenen Transportmittel anreisen. Diese Massnahme ist weder praktikabel, noch nützlich. Es ist eine Tatsache, dass die Schweizer Stadien selten restlos ausverkauft sind. Entsprechend einfach wäre es, die Regelung zu umgehen und sich Tickets in einem anderen Sektor zu kaufen. Um dies zu verhindern wird empfohlen, dass der veranstaltende Verein sicherstellen muss, dass keine Tickets an Gästefans in Gruppen abgegeben werden. In Zeiten des Onlineticketing ist dies eine fragwürdige Auflage.

Eine weitere angedachte Massnahme ist ein generelles Alkoholverbot für alle, mit Ausnahme der VIPs. Ein generelles Alkoholverbot würde die Freiheit der grossen Masse treffen, ohne dass man den wenigen Störenfrieden, welche sich sowieso immer seltener im Stadion zu erkennen geben, Herr werden würde. Auch die angedrohten Leibesvisitationen, welche 'im Verdachtsfall' vor dem Betreten des Stadions oder dem Besteigen von Fantransporten durchgeführt werden können, bedeuten einen nicht akzeptablen und äusserst fragwürdigen Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Personen.

Ist es wirklich angebracht, dem Staat solche Massnahmen zu ermöglichen? Sind nicht vielmehr Lösungen gefragt, um die wenigen Störenfriede und Krawallbrüder effektiv und nachhaltig zur Verantwortung zu ziehen, ohne dass wir hierfür der breiten Masse der Matchbesucherinnen und Matchbesucher ihre Freiheit nehmen?»